• wie wird Tischtennis in der Zukunft gespielt?

Benötigen wir einen anderen Fokus im Tischtennis Nachwuchstraining?

Andro Kids Open
Andro Kids Open - borussia-duesseldorf.com

Es ist schon erstaunlich, welche Qualität heute in den Endspielen der Nachwuchsklassen steht. Inzwischen heißen sie bei uns Regionsmeisterschaften, damals waren es noch die Kreismeisterschaften.

Nach meiner Einschätzung (und anderen mit denen ich gesprochen habe) hätten die Kreismeister von damals in fast allen Fällen kaum eine Chance gegen die Sieger von heute. Das ist der Erfolg der guten immer früheren Sichtungen und des sowohl qualitativ als auch quantitativ besseren Trainings.

Wenn wir uns die weiteren Platzierungen bei solchen Meisterschaften anschauen, wird dieser Trend allerdings nicht fortgeführt.

Bei den Plätzen 5-8 scheint es eher umgekehrt zu sein. Bei den Plätzen 9-16 hätten die Spieler heute keine Chance.
Die Plätze 17-32 gibt es heute nur noch sehr selten. 64er oder 128er Felder schon gar nicht.
Aber noch etwas fällt auf: Die Platzierungen sind heute viel vorhersehbarer. Vor 30 oder 40 Jahren gab es natürlich auch häufig 1, 2 oder 3 Favoriten, die den Sieg unter sich ausgemacht hatten. Aber es gab eine viel größere Anzahl an Spielern, die sich ins Halbfinale spielen konnten.

Fassen wir zusammen: es gab früher deutlich mehr Tischtennisspieler, eine bessere Spielqualität in der Breite aber weniger Stärke in der absoluten Spitze.

Woran lag dies: Das Training war dezentral in den Vereinen organisiert. So etwas wie Kadertraining gab es nur vereinzelt. Und dies wurde zusätzlich und maximal 1x die Woche, eher 1x im Monat angeboten.


Heute sieht dies anders aus: Die Spieler, die in den Endspielen der Nachwuchsklassen selbst bei Regionsmeisterschaften stehen, trainieren zu 90% mindestens 2x die Woche in einen Regions- oder Landeskader, meistens 3x + Vereinstraining. Das sind oft 4-5 angeleitete Trainingseinheiten in der Woche. Hinzu kommen Wochenendlehrgänge und natürlich Punktspiele und Meisterschaften,

Das heutige Nachwuchskonzept des DTTB sieht vor, dass die Spieler möglichst früh gesichtet werden und dann gezielt über die Leistungskader der Ebenen optimal gefördert werden.

Das Ziel ist dabei, eine sehr starke Elite zu generieren, die in der Lage ist, sich international zu behaupten. Daher sind diese Kader auch kein zusätzliche Angebot.

Sondern eine klare Ansage. Man Trainiert 3x pro Woche im Landeskader oder gar nicht. Dazu kommen Wochenendlehrgänge, die natürlich auch keine freie Wahl sind.

Aus Sicht des DTTB ergibt dies natürlich Sinn. Ein Nachwuchsspieler hat nur dann diese ganz kleine Chance, sich später einmal gegen einen der Top-Chinesen behaupten zu können, wenn er möglichst früh qualitativ gut und viel trainiert. Alles andere kann keinen Erfolg bringen.

Mit 2x Training kannst du keinen Chinesen schlagen. Fußball, Handball oder was es außerdem für tolle Sportarten gibt sind natürlich auch nicht vereinbar.


Wenn es nun nur diese wenigen Topathleten gebe, die im engen Zirkel den ganzen Tag versuchen, toller als ein Chinese zu werden - ok lustige Menschen gibt es überall.

Leider ist daraus ein Konzept geworden, das bis tief in die Kreisverbände wirkt. Die guten Spieler werden in Kadern vor Ort trainiert. Oft werden sie in die wenigen etwas höherklassigen Vereine gelockt oder gedrängt. Die etwas besseren kommen in die Landeskader. Dort gibt es ganz klare Vorgaben, in welcher Klasse ein Spieler anzutreten hat und damit verbunden in welchem Verein, wenn er in der Förderung bleiben will.

Mit diesem Konzept hat eine fatale Wirkung auf den "besseren" Breitensport. Der Leistungsabstand zwischen Vereins- und Kaderspielern ist riesig geworden. Verstärkt wird er zusätzlich noch durch die Zentrierung der wenigen guten Spieler in einigen wenigen Vereinen.

Wie kann ein sportlicher Tischtennisspieler, der nur in seinem Verein trainiert eine Wertschätzung erfahren?

"Er kann doch in den Kader gehen" - Will er aber nicht, spielt auch gerne Fußball.

Was bieten wir diesem talentierten und sportlichen Kind an? Kader oder lass es gleich ganz sein. Das wäre die ehrliche Antwort.

 

Wenn wir heute über die rückläufigen Zahlen im Tischtennis und besonders im Nachwuchsbereich sprechen, müssen wir ehrlich sein.

Was wollen wir mit diesen Kindern, warum sollen die spielen? Was können deren Ziele sein?

Oder geht es nur um weitere Talente für das Kadersystem des DTTB?

Diese Frage müssen wir ehrlich beantworten können, wenn wir versuchen wieder Kinder für das Tischtennis zu begeistern.

Wollen wir ein rein auf die Leistungselite fokussierte Nachwuchsarbeit, wie wir das z.T. in anderen Sportarten wie z.B. Biathlon kennen. Aber nicht nur dort.

Wie wird der Fokus in anderen Ländern gesetzt?

Vor ca. 30 Jahren war ich mit einem Auswahlteam Göttingens in unserer Partnerstadt Thorn (Thorun). Wir hatten neben dem sportlichen Treffen auch die Möglichkeit die Spieler kennenzulernen.
Einige sprachen recht gut deutsch und einige hatten bereits in Deutschland gespielt und kannten unsere Vereinsstrukturen.

Diese sahen in Polen deutlich anders aus. Es wurde nur in 4 ernsthaften Ligen gespielt. Die Spieler der ersten Herren waren Werksprofis. D.h., sie waren beim regionalen Energieerzeuger angestellt und mussten nur den halben Tag arbeiten, den restlichen Tag wurde trainiert. Für alle anderen Spieler galt ebenso, dass man mindestens 4x pro Woche trainieren musste, wenn man in einer Mannschaft spielen wollte. Alle ehemaligen Spieler hatten zumindest noch einen Trainingstag, aber keine Wettkämpfe.
So etwas wie Bezirksoberliga oder Landesliga gab es nicht. Auch nicht die Option mit 1-2x Training pro Woche an Punktspielen teilnehmen zu können.
Es soll in Thorn noch eine selbstverwaltete Hobbyliga gegeben haben, die in ihren Gartenlauben spielen.. Darüber konnten die Spieler aber wenig erzählen. Das interessierte dort niemanden.

Ich war damals sehr geschockt. Ich konnte mir so etwas nicht vorstellen. Und ich war froh, dass ich andere Möglichkeiten hatte.

Der Fokus liegt auf der Spitzenförderung

Heute stelle ich mit Sorge fest, dass wir uns genau in diese Richtung bewegen: Eine Elite, die sehr intensiv trainiert und gefördert wird und diejenigen, die Tischtennis als Hobbyspiel betreiben. Die mittlere Ebene verschwindet mehr und mehr mit fortschreitendem Alter der Akteure.

Das ist natürlich kein Schicksal oder unaufhaltsam.

Nein das ist es natürlich nicht. Aber wir müssen eine Position beziehen. Das jetzige System hat einen ganz klaren Fokus auf die Sichtung und Förderung und zur absoluten Leistungsspitze.

Alles andere wird dem untergeordnet. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Breite der Spieler.
Es gibt heute keine Möglichkeit sich außerhalb dieser Strukturen zu behaupten.

Wußtest du, dass die Plätze, die ein Landesverband für die Deutschen Meisterschaften zur Verfügung hat, gar nicht bei den Landesmeisterschaften ausgespielt werden? Nein es entscheiden die Landestrainer. Und die nehmen ihre Kaderspieler mit. Das kann von Landesverband zu Landesverband variieren. In Niedersachsen ist seit einiger Zeit zumindest der Sieger qualifiziert. Wenn nun ein Jugend- oder Schülerspieler nur durch das Vereinstraining doch so gut werden sollte, den zweiten Platz bei den Landesmeisterschaften zu erringen, bringt ihm das i.d.R. sehr viel Frustration, weil seine Unterlegenen zu den Dt. Meisterschaften kommen, er aber nicht.
D.h. es sind gar keine guten Leistungszentren außerhalb des Systems gewollt.
Man wird sich sicher auch fragen, was dies mit solchen Spielern macht. Wird der noch weiter motiviert trainieren? Wohl kaum. Er wird sich überlegen, doch in dieses Kadersystem zu gehen oder Tischtennis runter zu fahren.

Haben diese Spieler andere Möglichkeiten, Erfolgserlebnisse zu erlangen oder eine Wertschätzung ihrer Leistung zu erfahren?

Es gibt seit vielen Jahrzehnten Bundesdeutschen Sportvergleich, der zwar „Jugend trainiert für Olympia“ heißt, aber als Breitensport Veranstaltung ins Leben gerufen wurde.
Heute sieht das allerdings anders aus. Den Landesentscheid in Niedersachsen gewinnt mit einer Regelmäßigkeit das Humboldt-Gymnasium Hannover, auf das die Schüler des Tischtennisinternats des TTVN gehen. In anderen Landesverbänden sieht das ähnlich aus.

Knapp wird es auch nicht. Ganz toll!

Dass man sich dabei noch nicht blöd vorkommt, wundert schon. Hinter vorgehaltener Hand hat mir ein Landestrainer mal erzählt, dass man darauf eigentlich keinen Wert legt aber auf jeden Erfolg angewiesen ist (wg. der Fördermittel).

Auf jeden Fall bietet selbst dieser Hobbywettbewerb (der er mal war) auch keine Chance auf Erfolge für einen „normalen“ Vereinsspieler.

Wir müssen uns entscheiden.

 

Man kann doch alle fördern, oder? Neben der Elitenförderung kann man doch alle ein bisschen fördern?

Jeder Verein steht i.d.R. genau vor dieser Problematik. Breiten- oder Leistungsförderung in der Nachwuchsarbeit. Dort funktioniert (oder hat funktioniert) es doch auch.

In 99,9% der Fälle haben diese Vereine Breitensport im Fokus. Der Abstand der „Leistungsgruppe“ zu den nächsten Spielern ist nicht unüberbrückbar und durchlässig. Auch schlechtere Spieler werden mitgenommen. Man kennt sich untereinander und auch die Eltern der Spieler. In diesen Vereinsstrukturen werden Entscheidungen nie ausschließlich nach Leistungskriterien gefällt.

Ein sehr guter Trainer hat uns im Verein das ausführlich erklärt. Man kann entweder auf Leistung trainieren oder auf Breite. Beides zusammen geht nicht. Eines liegt immer im Fokus. Und dies wissen die Kinder.

Wenn wir auf unterer oder mittlerer Ebene nur eine bestimmte Anzahl an Trainern zur Verfügung haben, müssen wir sehr genau überlegen, wie wir sie einsetzen.

Um einen guten bzw. sehr guten Spieler noch besser zu machen, bedarf dies eines enorm höheren Einsatzes an Trainern und Zeit. Dies hängt mit einer abflachenden Lernkurve zusammen. In der Ökonomie spricht man in diesem Zusammenhang auch von einem abnehmendem Grenznutzen.

Es muß immer mehr investiert werden, um noch eine minimale Steigerung zu erreichen.

Das fatale in diesem System ist, dass wir unser Ziel aktuell nur von einem äußeren Faktor abhängig machen: Dem Leistungssystem in China.

Dieser Logik folgend macht der DTTB vieles sehr gut.
Nur: man muß dieser Logik nicht folgen. Vor allem nicht, wenn man die Situation vor Ort vor Augen hat. Dann sollten wir uns die Frage stellen, wie die Entwicklung in unserer Region verbessert werden kann.

Trainieren die vorhandenen Trainer 4x pro Woche 20 talentierten Kinder oder schicken wir sie in die Breite um 80 Kinder oder sogar mehr zu trainieren?
Natürlich wäre es falsch, diese Talente gar nicht mehr zu fördern. Darum geht es mir überhaupt nicht.

Die Problematik dabei ist: 1-2x Extra-Training macht gute Spieler auch besser nur vielleicht nicht ganz so gut. So gut wahrscheinlich, dass es für die Spitze der Region reicht. Aber nicht für die internationale Spitze.

Die Auswirkungen der Spitzensportförderung in der Region

TuS Celle Tischtennis 1.Herren 2016
TuS Celle 2. BL 2016 3v.5 Spieler aus der Reg.Südnds

Die Entwicklung dieser Fokussierung ist in meiner Heimatregion ablesbar:
Die Region Göttingen hat in den vergangenen Jahren diverse Spitzen-Nachwuchskräfte herausgebracht. Das ist schön und ich freue mich für die Spieler, die sehr viel erreicht haben und für die Trainer, die sehr gute Leistung erbracht haben.

Das etwas ärgerliche ist nur, dass der größte Teil der Spieler höherklassig in anderen Regionen spielt.
Auf der anderen Seite hat die Quantität und Qualität in der Breite abgenommen.
Es gibt mehr Spieler im Alter von 18 bis 25, die aus unserer Region stammen, die Regionalliga, 3. BL, 2. BL und 1. BL spielen als in der Bezirksliga, in der ich aktuell selber spiele. Die Bezirksliga speist sich nur aus Vereinen der Region und auf der anderen Seite haben wir weder Regionalliga noch höhere Spielklassen. Und das ist fatal.

Da stellt sich mir die Frage, ob wir nachhaltig etwas für den Bestand unserer Sportart tun?

Wäre da nicht weniger mehr gewesen? Unsere Trainer haben Spieler so gut gemacht, dass sie zu gut für die Vereine der Region wurden. Und das war kein Einzelfall, sondern gewollt.

 

"Fokus liegt auf der Förderung des Breitensportgedankens"

Förderung des Breitensportgedankens im Seniorensport / Tischtennis
Quelle: BTTV.de

So etwas wünsche ich mir im Bereich des Jugendsports zu lesen. Das zentrale Wort ist hierbei FOKUS! Nicht: da machen wir auch ein bisschen was.

Verbandsfachwart Michael Hellwig des BTTV führt dazu aus:
„Der Fokus liegt hier klar auf der Förderung des Breitensportgedankens. Mehr als 90 % aller Senior*innen befinden sich mit ihren TTR-Werten nicht im Spitzensportsektor. Genau für diese Gruppe der Aktiven schaffen wir nunmehr attraktive Wettbewerbe."

Dieser Satz wäre bezogen auf jede andere Altersgruppe genau so richtig. Über 90% der Spieler liegen nicht im Bereich des Spitzensports, eher mehr.

Und besonders im Jugendbereich sollten wir das erst einmal zur Kenntnis nehmen und diese Gruppe wertschätzen.

Das sind nicht die, die es nicht geschafft haben, die Versager. Das ist unsere Basis der nächsten Jahrzehnte.

Wir müssen eine Entscheidung treffen. Wenn wir uns eine Chance erarbeiten wollen, wieder eine größere Breite im Nachwuchssport zu schaffen, wird dies zu Lasten des Spitzensports (wie wir ihn jetzt kennen) gehen. Natürlich wird es weiter gute Spieler geben, die auch besser trainieren. Wenn wir aber einen Teil unserer Aufmerksamkeit, unserer Wertschätzung und Arbeit verteilen und wieder verstärkt dezentral trainiert wird, werden wir auf internationaler Ebene schwächer werden.

Jörg Rosskopf der Herren Bundestrainer hat das heutige Credo in einem Interview (Trainer in Deutschland Podcast vom DOSB)  wie folgt zusammengefasst (ab 12:33min):
„da darf auch nicht das Ziel sein, dass man jemanden rausbringt, der bei der Bezirksmeisterschaft gut spielt. Das Ziel muss weitergehen..“

Ich würde unserem Bundestrainer hier widersprechen: Das Ziel sollte sein, möglichst viele Spieler zu befähigen, gut bei den Kreis- und Bezirksmeisterschaften zu spielen.

Diese Diskussion kann man auf unterschiedlichen Ebenen führen. Der Bundestrainer hat dazu eine Meinung, die ausschließlich auf die Elitenförderung abzielt. Das ist sein gutes Recht. Er wird an den Ergebnissen des Bundeskaders gemessen.

Auf der Kreis- bzw. Regionsebene kann man dazu allerdings auch eine andere Meinung entwickeln, da uns volle Hallen und Jugendstaffeln wichtiger sein können, als internationale Erfolge der Spitzenspieler.

Als Auftraggeber (Verein oder Region) der Trainer sollten wir selbstbewusst unsere eigenen Ziel bewusst definieren.

Es liegt dann an uns andere Konzepte zu erarbeiten (oder uns daran zu erinnern) und diese dann umzusetzen.

Der Kernsatz für eine zukunftsfähige Nachwuchsarbeit entleihen wir uns den Erkenntnissen des Seniorensports:

Fokus liegt auf der Förderung des Breitensportgedankens

Ergänzung / Nachbetrachtung

12.02.21

In den Diskussionen über den Artikel habe ich festgestellt, dass einige Begrifflichkeiten unterschiedliche Interpretationen zulassen. Besonders der Begriff "Breitensport" umfasst mehr als von mir beabsichtigt. Es geht nicht um Hobbyspieler, die kaum trainieren und ab und zu mal "klickern" wollen. Den Begriff habe ich gewählt, da er für den Seniorensport im BTTV verwendet wurde und ich diese Aussage auch im Jugendsport sehr zielführend finde.

Das eigentliche Begriffspaar, was das Spannungsverhältnis besser beschreibt ist "Profi versus Amateur". Der Amateur ist sportlich, ehrgeizig und trainiert auch viele Einheiten. Er unterscheidet sich aber vom Profi, indem er noch ein anderes Leben hat und auch andere Interessen, einen Beruf. Natürlich weiß ich auch, dass die Kinder in den Leistungszentren noch zur Schule gehen und in der Mehrzahl nicht ihren Lebensunterhalt vom Tischtennis bestreiten. (In anderen Sportarten wie z.B. beim Fußball sieht das anders aus.) Aber sie stellen alle anderen Dinge hinten an. Diese "Profis" haben eine ganz klare und dauerhafte Priorisierung in ihrem Leben und dies auf höchstem Trainingsniveau.

Ich möchte mich bei Jan Schmauder bedanken, der in einer Diskussion auf Linked den Satz geäußert hat: "Aus der Breite entsteht Leistung." Das ist ein Satz, den ich mir einrahmen möchte. Er fasst das Spannungsverhältnis zusammen. Heute haben wir "Leistung" ohne "Breite" und die Leistung speist sich nicht mal aus der "Rest-Breite". In vielen Fällen casten die Verbände die Nachwuchskinder ohne die Vereine oder diese werden nur noch als Orga-Team benötigt.

Wir müssen es wieder schaffen, eine gute Breite zu erarbeiten und dann entsteht die Leistung aus der Breite.

 
 
 
 

weitere Thesen zum Nachwuchstischtennis

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Kommentar von Thomas Dick |

Hallo Markus,

viele gute Gedanken. Von mir hierzu nur ein Gedanke (aus meiner Erfahrung, aus meiner Praxis):

Solange wir in Deutschland

- kein g e m e i n s a m e s Ziel formuliert haben, wie unsere Sportart - zunächst - überhaupt überleben soll,

- die Notwendigkeit in die zeitgemäße Veränderung unserer Vereine (und deren Organisations- und Trainingsstrukturen im Nachwuchsbereich) nicht erkannt und umgesetzt haben,

- nicht g e m e i n s a m (und nicht "vereinsegoistisch" und in vielen Kooperationen gegen Mitgliederverluste (auch im Erwachsenenbereich)) zusammenarbeiten,

- die Individualsportart Tischtennis weiter (fast) nur als "Mannschaftssportart" in Vereinen betrieben und gefordert wird,

- Wertschätzung und Anerkennung qualifizierter Trainingsarbeit und zeitgemäße Trainingsstrukturen in der überwiegenden Anzahl der Vereine nicht vorhanden sind und solange

- der Bundestrainer sagt, er könne als Bundestrainer nichts bewirken, wenn die Vereinstrainer ihm keine Talente bringen würden (und damit die "Kommunikationslinie" definiert, auf der die Arbeit beruhen soll),

können wir uns jeden Diskurs zu Deinen anregenden Gedanken sparen. Wir müssen bei den Ursachen der Ineffektivität anfangen, bevor wir über die Ausgestaltung und Zielrichtung von Nachwuchsarbeit diskutieren. Nicht die Diskussion, welche Wertschätzung Nachwuchsarbeit haben soll, wäre die Frage, sondern wie sollen unsere Vereine in Zukunft den Erfordernissen einer guten Nachwuchsarbeit gegenüber stehen? Ist Nachwuchsarbeit - proaktiv - gewollt oder nicht?

Gruß

Thomas

Kommentar von Markus Thies |

Hallo Thomas,
das sind alles richtige und wichtige Punkte. Mir ging es zentral darum die Frage zu stellen, was die Motivation für einen sportlichen Nachwuchsspieler sein kann, sich für Tischtennis zu begeistern, wenn er nicht in die fulltime Förderung will. Und da bieten wir immer weniger. Was ist das "Warum". Warum soll der Spieler sich für unseren Sport entscheiden und "Warum" wollen wir ihn. Oder reicht uns Elite&Hobbypingpong.
Wenn wir das geklärt haben, kommen deine Thesen ins Spiel. Wie kann man das umsetzen? Wir brauchen sicher beide Auseinandersetzungen.

Kommentar von Thomas Dick |

Hallo Markus,

Zitat "Was ist das "Warum". Warum soll der Spieler sich für unseren Sport entscheiden? Was ist seine Motivation, sich für Tischtennis zu begeistern?"

-> Weil er attraktive Trainingsgruppen, die seiner Motivation und seinem "Talent" entsprechen, vorfindet!
--> Weil die handelnden Personen im Verein (Vorstand und Trainer) sozial- und fachkompetent sind und handeln!
--> Weil er spannend findet, was im Verein ansonsten passiert!
--> Weil er sich im Verein angenommen und wertgeschätzt fühlt!
--> Weil der Verein ihm ein gutes Gefühl gibt und er erkennt, dass diese Sportart so vielfältig und spannend sein kann!
--> .... (könnte jetzt noch weitermachen...)

... und damit wären wir aber bei meinen Ursprungsgedanken, die ich Dir mitgeteilt hatte. Die Vereine sind das "Huhn", der Nachwuchsspieler ist das "Ei". Und damit ist die Frage, wer zuerst da sein muss, damit es gelingt, Kinder und Jugendliche im Freizeit- und Breitensport zu binden, geklärt! Ich bin der Auffassung, dass es noch nicht hinreichend gelungen ist, unsere Vereine für diese Bedingungen zu sensibilisieren!

Kommentar von Felix |

Breiten- oder Leistungssport. Entweder alle dürfen mitmachen oder wir konzentrieren uns nur auf die besten Talente.
Nach 20 Jahren Trainertätigkeit auf verschiedensten Ebenen wage ich die Einschätzung, dass diese Unterteilung in Breiten- und Leistungssport, die als gegensätzliche Seiten einer Medaille betrachtet werden, das Problem ist.
Ich habe in meiner Zeit als Trainer keinen einzigen Verein kennengelernt, der langfristig mit reinem Breitensport, also jeder soll vorbeikommen und nur aus Spaß spielen, Erfolg hatte. Vereine, die mit Leistungssport erfolgreich waren, konnten eher lang- oder mittelfristig erfolgreich arbeiten, doch zumeist in Abhängigkeit von einer Person.
Am erfolgreichsten hinsichtlich der Mitgliederentwicklung, aber auch des Spielniveaus, waren jene Vereine, die leistungsorientiertes Training für alle angeboten haben. Die bereit waren ihre besten Spieler an die Kader abzugeben und sich aber auch um die zweite oder dritte Reihe dahinter gekümmert haben, denen es wichtig war, ob jemand Kreismeister wurde oder bei den Kreismeisterschaften aus der Gruppe kam.
Tischtennis ist ein Wettkampfsport. Dazu sollten wir stehen, das sollten wir betonen und diese Wettkämpfe positiv betonen. Woche für Woche sieht man das (wenn kein Corona ist) in den Kreisligen, wenn sich geärgert wird. Es geht um Leistung. Das ist ok. Das Niveau und der Aufwand sind natürlich unterschiedlich, aber wenn wir den Menschen (Kindern) kommunizieren, dass ihre Leistung in der Kreisliga keinen Wert hat, werden wir sie verlieren...

Kommentar von Albrecht |

Mit gefällt diese Entwicklung auch schon seit Jahren nicht. Es gibt viele Probleme, beginnend schon mit der gesellschaftlichen Situation. Aber wir haben natürlich auch hausgemachte Probleme. Markus beschreibt das sehr gut: Diese Fokussierung der Verbände auf den Spitzensport finde ich alles andere als förderlich für unseren Sport insgesamt. Einerseits hängen die Verbände finanziell davon ab, dass es genug Menschen gibt, die genug Spaß am Tischtennis haben, dass sie sich in einem Verein anmelden und Beiträge zahlen. Andererseits fördert man - von Sonntagsreden mal abgesehen - fast ausschließlich die paar Supertalente, von denen man internationale Erfolge erhofft. Kann man machen, aber 99,9 Prozent der Kinder, die im Verein beginnen, könnte man dann konsequenterweise nach 4 Wochen wieder nach Hause schicken. Meine Prämisse als Abteilungsleiter war immer, jeder sollte nach seinen Möglichkeiten gefördert werden. Was ich mir aber von Jedem wünsche, ist ein gewisser Ehrgeiz. Wenn der vorhanden ist, dann würde ich auch von "leistungsorientiert" sprechen, unabhängig von einer bestimmten Spielstärke. Sport ist doch untrennbar mit Spaß verbunden: Der Eine spielt in der untersten Klasse, hat aber Spaß, wenn er gegen jemand gewinnt, dem er beim letzten Mal unterlegen war. Zu dieser Kategorie gehören wir alle: Mit Ausnahme von Boll, Franziska & Co. Als Abteilungsleiter freue ich ich mich besonders, wenn unter den Kindern ein paar sind, die sich hervorheben und ich hoffe darauf, dass sie lange dabeibleiben, möglichst auch dem Verein die Treue halten. Die Bedingungen dafür versuche ich, zu schaffen, was nicht immer einfach ist. Und wenn meine Besten, in die wir vielleicht schon viel Energie gesteckt haben, wegen lockender Angebote den Verein verlassen, frustriert das durchaus. Oft habe ich erlebt, dass sie dann früher oder später aufgehört haben: Wenn irgendwann der Punkt kommt, wo die Spielstärke stagniert, geht gerade bei den auf Leistung fokussierten auch der Spaß verloren. Und auf Bezirksebene bleibt nicht mehr viel übrig: Damit Sport interessant ist, braucht es gleichwertige Gegner: Ein nach oben abwandernder Spieler heißt oft, dass die einen Tick schwächeren Kumpels den Schläger an die Wand hängen, zumindest die Motivation lässt nach. Zu Thomas: Mehrspartenvereine setzen unter diesen Umständen eher auf Sportarten, wo die Probleme in der Form nicht existieren. Wieso sollte man teure Trainer bezahlen, wenn die besten von ihnen ausgebildeten Kinder anschließend - zum Nulltarif - weggegeben werden? Aus Sicht der Vereinsführung ist da doch der beitragszahlende Mensch egal welchen Alters, vielleicht noch nicht einmal an der Teilnahme am Spielbetrieb interessiert, weitaus interessanter. Bringt genausoviel in die Kasse, kostet weniger und wird dem Verein wahrscheinlich lange erhalten bleiben. Zur Klarstellung: Ich als Abteilungsleiter möchte auch sportliche Erfolge, wichtiger sind aber andere Dinge, vor allem der Spaß. Gilt übrigens für jeden Sport.

Kommentar von Thomas Dick |

Zu Albrecht:

Zitat "Mehrspartenvereine setzen unter diesen Umständen eher auf Sportarten, wo die Probleme in der Form nicht existieren. Wieso sollte man teure Trainer bezahlen, wenn die besten von ihnen ausgebildeten Kinder anschließend - zum Nulltarif - weggegeben werden? Aus Sicht der Vereinsführung ist da doch der beitragszahlende Mensch egal welchen Alters, vielleicht noch nicht einmal an der Teilnahme am Spielbetrieb interessiert, weitaus interessanter. Bringt genausoviel in die Kasse, kostet weniger und wird dem Verein wahrscheinlich lange erhalten bleiben. Zur Klarstellung: Ich als Abteilungsleiter möchte auch sportliche Erfolge, wichtiger sind aber andere Dinge, vor allem der Spaß. Gilt übrigens für jeden Sport."

Aus Deinen Äusserungen entnehme ich, dass Du, dass Ihr bislang nicht die Erfahrungen gemacht habt, die ihr Euch gewünscht hättet. Deine Schilderungen enthalten einige reaktive Äusserungen. Proaktiv zu sein würde bedeuten, bewusst und zielgerichtet die Initiative zu ergreifen, um seine Ziele (Erfolge u n d Spaß) zu erreichen. Dazu gehört auch, qualifizierte und gute (!!) Trainer(innen) zu beschäftigen, ohne Ihnen gleich im Voraus "überdurchschnittliche Honorarforderungen ("zu teuer")" oder "folgende, nicht zu verhindernde Umstände" ("Abwerbung" durch andere Vereine, etc.) zu unterstellen, die sie nicht verhindern könnten. Reduzierst Du Nachwuchsarbeit ausschliesslich auf die Kosten (ohne dem Nutzen eine Chance zu geben), wirst Du weder qualitativ noch quantitativ Erfolg haben. Eine passive Haltung bedeutet, abzuwarten und auf die Dinge zu reagieren, die passieren, statt davor schon aktiv einzugreifen.

Ich bemühe mich in meinen Beratungen den Vereinen immer eines deutlich zu machen: Haben sie die richtige Struktur an Nachwuchs-Trainingsgruppen im Verein (unterschiedlich ausgerichtete und existierende Trainingsgruppen, über deren Zusammensetzung der/die qualifizierten Trainer(in) entscheiden), wird gut gearbeitet, hat man die Möglichkeit, sogar Kinder von anderen Sportarten oder dem PC wegzulocken und diese Arbeit auch noch extern finanzieren zu können. Gute Nachwuchsarbeit ist die, die bei Kindern bewirkt, dass sie keinen Bock mehr haben, zuhause vor dem PC zu sitzen.

Proaktive Menschen in Vereinen erzeugen ihr Glück selbst, in dem sie sich aktiv darauf vorbereiten - auf qualitativ gute und mittelfristig erfolgreiche Nachwuchsarbeit - trotzdem mit Spaß! Proaktive Menschen warten also nicht auf die richtigen Gelegenheiten und suchen Gründe, warum sie etwas nicht tun wollen in Umständen, Bedingungen, Begleiterscheinungen, sondern sie versuchen, die richtigen Gelegenheiten selbst zu erzeugen.

Für mich ist dies ein absolut entscheidendes Kriterium: Denke ich als Verein reaktiv, werde ich immer dabei sehr stark von anderen Faktoren und dem Zufall abhängig sein. Denke ich proaktiv, habe ich die Möglichkeit, immer wieder aufs Neue einen Versuch zu starten und aktiv auf Kinder - in vielen verschiedenen Optionen - zuzugehen. Und damit habe ich eine wesentlich größere Chance, auch wirklich eine gute, differenzierte Nachwuchsarbeit einzurichten, die beides für meinen Verein bringt: Spaß, Breite und Leistung (=Erfolg). Denn alles hat in einem Verein nebeneinander eine Existenzberechtigung (s. Kommentar von Felix).

Also: Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln darauf ausrichten, selbst positive Veränderungen umzusetzen. Auch im eigenen Verein. Notfalls auch gegen reaktive Widerstände. Hast Du mit Deinem Verein eine gut organisierte Nachwuchsarbeit mit qualifiziertem Trainingsangebot wird Dein Verein für viele andere Kinder interessant.

Kommentar von Albrecht |

Hallo Thomas,
ich würde mich selbst eher zu der Gruppe der proaktiven zählen. Wir hatten auch in den letzten 25 Jahren immer relativ qualifizierte Trainer und waren auch nicht ganz erfolglos im Nachwuchsbereich - quantitativ wie auch qualitativ.
Ich mache mich auch dafür stark, dass gute Leute angemessen bezahlt werden. Aber vor dem Hauptverein kann ich mit diesen relativen Erfolgen nur wenig Eindruck machen. Wenn ein Verein über die Jahrzehnte betrachtet in vier Sportarten in der 1. Liga vertreten war, jeweils aber nicht nachhaltig und mit finanziellen Verlusten, dann wird jeder Versuch, sportlich nach vorn zu kommen, argwöhnisch beobachtet. Irgendwie auch verständlich. Da ist dann unsere 35-köpfige Seniorengruppe, die kaum Kosten verursacht, lieber gesehen als ein ehrgeiziger junge, der am liebsten täglich Einzeltraining hätte. Im Gegenteil: Je besser er wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er bald weggelockt wird.

Kommentar von Thomas Dick |

Hallo Albrecht,

proaktiv (im Sinne dessen, wie ich es gemeint habe) bedeutet, dass Du genau für das von Dir hier beschriebene Problem mit Deinem Verein eine Lösung suchst und anstrebst - egal wie sie aussieht.

Kommentar von Nebo Stevanov |

Hallo zusammen,
@Markus dein Text finde ich sehr interessant. Das Thema beschäftigt mich auch oft, und obwohl ich „Leistungssport Brille“ trage, würde ich ganz gerne versuchen rauszufinden, was ein Verband besser machen kann? Wie können wir alle Seiten zufrieden stellen.
Aus Leistungssport perspektive ist das nicht so einfach. Ich war sehr oft bereit, Spielerinnen die nicht im System trainieren, zu Jugend DM zu Nominieren. 2x habe ich nach der Nominierung absage bekommen. 1x war der Grund „meine Nachbarin hat Geburtstag und deswegen kann ich zu DM Jugend nicht fahren“ was in Ordnung ist aber für mich stellt sich die Frage: wie kann ich diese Spielerin weiter fördern? Ihr alle habt auch viele Grunde genannt, warum die Verbände sich so Positionieren. Ich wollte nur noch sagen, aus meiner Erfahrung, es gibt Spieler die „leben dafür geben, Nationaltrikot zu tragen“, und dafür viel zu investieren, und es gibt Spieler die einfach Spaß haben wollen. Das ist auch alles ganz in Ordnung so. Was mach Unterschied zwischen Breiten- und Leistungssport? Es gibt nur eins: Leistungssportler will immer gewinnen, und Breitensportler will Spaß haben aber nicht unbedingt gewinnen. Der Druck ist unterschied.
Es ist ein paar Mal passiert, dass die Spieler, die nicht im System trainieren, nach einer Bundesveranstaltung Lust verloren haben, weil die gesehen haben, dass die anderen viel besser sind „weil die in Zentren trainieren“. Das sind alles Kleinigkeiten die man auch beachten soll…
Die Frage ist: was kann Leistungssport Abteilung in einem Verband besser machen, damit auch Breitensport davon was hat?
Beste Grüße an alle!
p.s. da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, entschuldige ich mich für alle Schreibfehler 

Kommentar von Markus Thies |

Hallo Nebo,

das freut mich aber, von dir zu hören. Gerne denke ich noch an die Zeit als du beim TTV gespielt hast.

Aber zum Thema:
Der Begriff Breitensport ist vielleicht etwas irreführend von mir gebraucht. Das richtige Begriffspaar wäre Profi und Amateur. Heute trainieren die Kader-Kinder wie Halbprofis. Der reine Hobbyspieler hat damit kein Problem. Für ihn stehen andere Ding in seiner Prioritätenliste.
Das Problem haben Amateure, die ehrgeizig und sportlich sind. Die aber erkennen müssen, dass sie in dem professionalisierten Sportbetrieb mit einer limitierten Anzahl an Trainingsstunden nicht Konkurrenzfähig sind.
Es gibt in der Vergangenheit viele Beispiele von Spielern, die in ganz unterschiedlichen Sportarten erfolgreich waren. So z.B. die Handballlegende Bernhard Kempa, der im Tischtennis Münchner Stadtmeister wurde und bei den Westdeutschen erfolgreich mitspielte. Heute undenkbar. Das ist natürlich kein reines Tischtennisproblem. Die Professionalisierung hat alle Sportarten im Griff.

Ist das der richtige Weg?

Da es unrealistisch ist, die Professionalisierung zu begrenzen, wäre es in meinen Augen ein Weg, Meisterschaften zu schaffen, die nur für die Amateure sind. Den "Semi-Profi" Bereich würde ich ausgrenzen. Kader gg. "Nicht-Kader" hat i.d.R. keinen sportlichen Wert.

Man muß sich auch die Frage stellen, welchen Wert 10 Trainingseinheiten pro Woche für einen Menschen haben. Mit 2 angeleiteten Trainingseinheiten pro Woche + einmal frei spielen sollten wir ein gutes Niveau der Spielkultur schaffen können für Kinder, deren Interessen breiter aufgestellt sind.

Wir sollten den Kindern vielfältige Kontakte zu anderen Spielern auf großen Turnieren ermöglichen, manchmal auch international.

Gemeinschaft muß wieder stärker gelebt werden. Es darf nicht "normal" sein immer nur die optimale (höhere) Klasse für sich zu suchen und bei jeder Gelegenheit den Verein zu wechseln. Wenn wir Bindung einfordern (bzw. nachlassende Bindung beklagen) müssen wir dies selber vorleben und auch in die Richtung erziehen. (was natürlich nicht heißen soll, dass man nie wechseln soll).

Grüße
Markus

Kommentar von Markus |

Über die Landessportverbände wird zu einem Großteil die Nachwuchsförderung der Verbände finanziert. Diese befinden sich mittlerweile teilweise in einem "Paralleluniversum", so könnte man es zumindest von der Basis her wahrnehmen. Schade ist in der Fokussierung und oft Zentralisierung, dass die leistungssportliche Anbindung der Breite immer schwieriger wird. Damit einhergehend kann man feststellen, dass die Breite der Spitze in den Vereinen nachlässt und die Verbände überfordert sind die Vereine als Multiplikatoren zu stärken und zu nutzen. Muss man sich also in Zukunft noch mehr auf die noch wenigen Ausnahmetalente konzentrieren, die das von ihrem Wohnort und ihrer Zeit (noch) hinbekommen oder braucht man eine ambitionierte Basis aus der eine größere Breite der Spitze wächst?

Kommentar von Thomas Dick |

"Wenige Ausnahmetalente" ... wer definiert dies und wie wird "Talent" definiert oder bestimmt? Das ist schon immer eine sehr schwierige Sache gewesen und dies behalten sich sog. "Experten" vor, die mindestens in verantwortlicher Position eines Landesverbandes oder des Spitzenverbandes arbeiten. Fakt ist: Soll eine Spitze entstehen, die aus vielen Spielern besteht, braucht es eine Breite, die eine große Auswahl an "förderungswürdigen" Nachwuchsspielern "bereitstellt", damit durchdachte Auswahlverfahren einsetzen können. Freiwillig! Diese Freiwilligkeit beruht dann allerdings auf einer hohen Motivation der Vereine ("ambitionierte Basis"), die durch eine durchdachte Organisationsstruktur einer Leistungsförderung (unter Einbeziehung und dem respektvollen Umgang von allen motivierten Vereinen und Trainer(inne)n), einer guten und führungspsychologisch klugen Kommunikationsstruktur- und -kultur, sozialkompeteter Trainer(innen) und Verantwortlicher und - im besten Fall - einem gemeinsamen Ziel besteht. Und diese Vereine wissen, dass sie ein vermeintliches "Talent" loslassen müssen und dies ein Ansporn ist, es weiter so zu versuchen.

Beim momentanen Blick in die Mehrheit der deutschen Landesverbände ist schwierig zu erkennen, dass dies gelebte Praxis ist. Insbesondere die Kommunikationskultur muss überhaupt erst einmal entstehen, Vertrauen muss aufgebaut und etabliert werden. Viele Vereine, vielleicht sogar die Mehrheit der Vereine, sind in ihren Überzeugungen schwer zu ändern. Solange die Verantwortlichen des Hochleistungs- und Leistungssportes diese "kognitive Dissonanz" bei ihren Vereinen nicht auflösen können, nicht konkret und nachvollziehbar, motivational und konzeptionell für "ausbildende Vereine" im Sinne einer gemeinsamen Kooperation und Zusammenarbeit ein gemeinsames Ziel verzahnt und verknüpft ist, solange Vereine sich mehrheitlich n i c h t mit den leistungssportlichen Zielen Ihres Landesverbandes oder Nationalverbandes identifizieren, solange wird n i c h t s passieren - ausser Rückschritt.

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