Darum brauchen wir neue Regeländerungen im Tischtennis

Hans Wilhelm Gäb fordert Regeländerungen im Tischtennis Sport

Der Artikel in der Printausgabe der Zeitung "tischtennis" hat eine große Resonanz erfahren. Viele Tischtennisspieler diskutieren kontrovers über die Thesen von Hans Wilhelm Gäb.

Der Philippka-Sportverlags in Münster hat uns freundlicher Weise die Genehmigung erteilt Auszüge aus dem Text von DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb aus der Januar Ausgabe 2011 des Fachmagazins "tischtennis" zu veröffentlichen. Den kompletten Beitrag finden Sie im Magazin, das Sie abonnieren oder in vielen Bahnhofsbuchhandlungen kaufen können.

Ein Probeheft "tischtennis" kannst du beim Philippka Verlag bestellen

 

Es ist ein Drama

Die Voraussetzungen sind eigentlich exzellent. Tischtennis als weltweit betriebener Leistungssport hat sich in den letzten Jahrzehnten extrem athletisch und dynamisch entwickelt. Als Spiel ist es ein gesundes Life-Time-Vergnügen. Und was Deutschland angeht – unser Herrenteam ist Vize-Weltmeister und Olympia-Zweiter hinter China, die Damen waren zuletzt Dritter bei der WM in Moskau. Doch diese eindrucksvollen Tatsachen stehen im Gegensatz zu den Entwicklungen im Umfeld unseres Sports. Tischtennis spielt in den Medien nur eine untergeordnete Rolle. Der DTTB ist im deutschen Sport zwar nach wie vor ein bedeutender Faktor, aber es gibt kein Wachstum.

Die Zuschauerzahlen zeigen in Europa und auch China eine erschreckend negative Tendenz. Beim ITTF Grand Final Ende Dezember in Seoul (Südkorea) liefen die Viertelfinal-Einzel in einer 10000 Menschen fassenden Arena vor 250 Zuschauern ab. Die relativ gut besuchten Veranstaltungen in Deutschland leben vom großen Heer der aktiven Spieler und Senioren, ziehen aber nur wenige generell am Sport interessierte Fans an. Und auch im Hobby-Bereich gibt es ungute Entwicklungen. Warum sind beispielsweise die früher in jedem Hotel und jeder Freizeitanlage üblichen Tischtennis-Tische so viel seltener anzutreffen?
Es ist allerhöchste Zeit, zu analysieren und zu handeln.

Schönheit, Artistik und Dynamik verständlich demonstrieren

Ich glaube, dass wir es selbst zu verantworten haben, wenn die Attraktivität von Tischtennis in der Welt des Sports und beim Sportpublikum nur bedingt erkannt wird. Denn wir, ob ITTF, ETTU oder DTTB, wir sind es, die es bisher nicht fertig bringen, die Schönheit, die Artistik und die Dynamik unseres Spiels der Öffentlichkeit verständlich zu demonstrieren. Tischtennis leidet an Krankheiten, die seine Zukunft gefährden. Aber diese Krankheiten sind heilbar, denn sie liegen nicht in der Qualität des Sports begründet, sondern in einem überholten, falsch verstandenen Regelwerk. Und an Rahmenbedingungen, die man ändern kann.
Man könnte jetzt auf die schreckliche Vielfalt unserer Mannschafts- Spielsysteme eingehen, wo wir es doch tatsächlich geschafft haben, für WM und EM, für Olympia, Champions League und Bundesliga unterschiedliche Lösungen zu erfinden.

Man könnte das Thema Material-Regeln beleuchten. Dort haben wir als wohl einziger Ballsport der Welt Materialien zugelassen, die einzig und allein dazu entwickelt wurden, den Ballwechsel zu zerstören, die Logik der Ballflugkurven und damit die Verständlichkeit des Spiels. (Wie viele Jugendliche und Kinder haben aufgegeben, wenn sie zum ersten Mal gegen destruktive Beläge antreten mussten und die Freude am Spiel verloren?) Man könnte sich wundern, dass wir nicht dem Trainerberuf und dem persönlichen Status der Trainer eine Bedeutung geben, wie sie in anderen Sportarten selbstverständlich ist und sie als Wegbereiter des Erfolges in gleicher Weise ehren wie die Athleten.

Man muss auch darüber reden. Aber ich möchte mich hier auf fünf Problemfelder beschränken, welche die Verbreitung und die Anerkennung unserer Sportart derzeit wohl in besonderem Masse hemmen. Wenn wir Tischtennis nach vorn bringen wollen, müssen wir vor allem die Aufschlagregel ändern.

Fünf Problemfelder

1. Das Aufschlag-Debakel

Unabhängig von den gutgemeinten Regelmodifikationen der letzten Jahre ist der Aufschlag immer noch ein entscheidendes Element unseres Sports. Ein zerstörerisches Element. (...) Unsere Athleten (und unsere Jugendlichen, die doch mit Tischtennis aus Freude am Ballwechsel und am Spiel beginnen!) trainieren am Ende Tage und Wochen ihres Sportler lebens an der Perfektionierung eines Schlags, der den Ballwechsel und das Spiel allzu häufig von vornherein zerstört und verhindert. Sie trainieren einen technisch hochkomplexen Schlag, dessen unglaubliche Raffinesse und dessen Wirkung die normalen Zuschauer aber gar nicht verstehen können. Und sie trainieren einen Schlag, der kaum einen athletischen und sportlichen Wert hat.

Es ist ein Schlag, der auch bei Weltranglistenspielern zu primitiv aussehenden Fehlern führt. Die Fülle der vermeintlich leichten Fehler nach dem Aufschlag und die Gründe für das schnelle Ende des Ballwechsels bei schlechter Rückgabe des Aufschlags verstehen nur wenige Insider, niemals aber ein normales Publikum in den Hallen oder an den optisch ohnehin alles verkleinernden Bildschirmen. (...) Er verhindert Ballwechsel. (...) Er verhindert, dass das breite Sportpublikum Tischtennis als eine der athletischsten, artistischsten und kreativsten Sportarten der Welt anerkennt.

In der interessanten Fachzeitschrift Tischtennis-Lehre lässt sich nachlesen, dass im Halbfinale der WM in Yokohama zwischen Ma Long und Wang Hao ein glattes Drittel aller Punkte nach nur zwei (!) Ballberührungen beendet war. Nur wenn wir die Regel so ändern, dass der Aufschlag seine spielzerstörende Bedeutung verliert und mehr der Eröffnung des Spiels und der Ballwechsel dient, werden wir Tischtennis nach vorn bringen.

2. Das Drama der minimalen Aktionszeiten

Das Thema Aufschlag muss erste Priorität haben. Denn damit zusammen hängt ein anderes schwerwiegendes Problem: das Problem der extrem kurzen eigentlichen Aktionsszenen.

Eine umfangreiche Spielzeiten-Analyse großer Wettkämpfe zwischen Weltklassespielern, die mir Michele Comparato zur Verfügung gestellt hat, zeigt, dass die Nettospielzeiten bei solchen Fights nur rund 20 Prozent betragen.
Beim Team-WM-Finale 2006 China – Korea in Bremen zwischen Weltmeister Wang Liqin und Olympiasieger Ryu Seung Min waren die Kontrahenten 45 Minuten am Tisch. Die eigentliche Aktions-Zeit, also die Zeit, in der Ballwechsel stattfanden, betrug aber nur sieben Minuten und vierundvierzig Sekunden. Das sind 17,3 Prozent.

Stellen Sie sich vor, wo die Zuschauer beim Fußball wären, wenn in einem 90-minütigen Spiel der Ball nur 20 Prozent der Zeit, also nur 18 Minuten, im Spiel wäre! Bei uns sind solche Relationen nun seit Jahrzehnten die Regel, und wir Insider haben uns daran gewöhnt. Nur, das Publikum von heute macht es einfach nicht mit.

Weil wir in unserer immer noch sehr großen Tischtennis-Gemeinde allzu sehr im eigenen Saft schmoren, ignorieren wir diese Probleme und sehen nicht mehr über den Tellerrand. Versetzen Sie sich in die Lage eines TV-Redakteurs, der Tischtennis live übertragen soll, einem breiten Publikum aber im Rahmen einer halbstündigen Übertragung nur 6 Minuten Action-Time anbieten kann. Wobei dann, durch den Aufschlag bedingt, schon rund 50 Prozent der Punkte im ersten oder spätestens zweiten Ballwechsel entschieden werden, attraktive Ballwechsel also die Ausnahme sind.

3. Die tödliche Dauer unserer Tischtennis Spiele

Und nun vergleichen Sie mal die Kürze der Aktions-Zeiten mit der fast unzumutbaren Gesamtdauer unserer Spiele und Veranstaltungen. Vergleichen Sie den Zeitaufwand für Tischtennis mit dem populärer Sportarten wie etwa Fußball, Basketball oder Handball. Das Sportpublikum von heute, die Fernsehzuschauer und die Medien sind längst an fixe, planbare Zeitabläufe gewöhnt, in denen dichtgedrängt Aktionen ablaufen. Was glauben Sie, warum auch im Tennis oder in der Leichtathletik die Zuschauerzahlen und die Übertragungszeiten zurückgehen?

Ich gehöre zu den Freaks, die ein Bundesliga-Spiel von dreieinhalb Stunden mühelos durchstehen. Aber reden Sie mal mit einem normalen Sportfan, der sich mal Tischtennis ansehen will und dann entdeckt, dass ihn ein Spiel Borussia Düsseldorf gegen Ruhrstadt Herne den halben Sonntag kostet! Mir ist klar, dass für uns Tischtennis-Insider und ehemalige Spieler selbst die Dauer der Spiele eine Droge ist, die man nicht missen möchte. Aber wir müssen uns darüber klar sein, dass unsere Sichtweise ausstirbt und dass wir den Tischtennissport für eine neue Zeit nutzbar und faszinierend machen müssen. Haben nicht viele unter den Altmeistern unseres Sports auch schon beim Wechsel von 21 auf 11 Punkte das Ende der Welt kommen sehen? So wie wir die Zählweise ändern mussten, werden wir für unser Spiel sehr bald ein Zeitlimit einführen müssen.

4. Die Blockade der Emotionen

Sport heißt Wettkampf, und Wettkampf ohne den Ausdruck von Leidenschaft und Gefühlen ist nicht denkbar, ist geradezu unnatürlich. Unser Regelwerk aber zwingt Spieler und Betreuer zu einer Art von Selbstbeherrschung und Temperamentlosigkeit, die sich vielfach auch auf die Zuschauer überträgt. Ich meine, dass wir Kampf und Leidenschaft, Mitfiebern, Freude, Ärger und Enttäuschung eines Wettkampfs mit einem weit liberaleren Regelwerk tolerieren und ermutigen müssen. Die Schiedsrichter sollten nur all das unterbinden, was Unfair ness gegenüber dem Gegner bedeutet.

Doch wenn ein Spieler heute seinen Schläger fallen lässt, sieht er schon Gelb. Warum, zum Teufel, darf ein Spieler nicht mal ungestraft seinen Schläger in die Ecke feuern, laut mit sich selbst schimpfen oder sich laut mit seinem Betreuer fetzen? Ein lebendiger Sport ist immer auch Drama. Ich glaube, die meisten unserer Schiris sind echte Tischtennis-Fans, möchten nicht als ständige Oberaufseher wahrgenommen werden und hätten nichts gegen mehr Stimmung in den Hallen. Michael Geiger, prominenter Schiedsrichter-Boss auch auf ITTF-Ebene und heute Vize-Präsident Finanzen im DTTB, schrieb mir dazu: „Gerade was die Emotionen anbelangt, muss viel geändert werden. Der Sport lebt von Emotionen. (...)

5. Die irreführenden Fernsehbilder

Dies ist ein Kapitel, das ITTF, ETTU und DTTB nicht direkt beeinflussen können, wohl aber indirekt durch ständige Appelle an die TV-Macher. Wenn Sie Tischtennis sehen wollen und Ihren Platz in der Halle wählen können, setzen Sie sich dann in den Rücken der Spieler? Natürlich nicht. Aber genau da stehen in der Majorität der Übertragungen die Fernsehkameras, vor allem im Internet-TV. Und dann entsteht für den oft ahnungslosen Zuschauer am Bildschirm ein tödlicher Effekt.

Optisch zusammen gequetscht sieht er zwei Spieler, die sich auf zwei Meter Entfernung gegenüberzustehen scheinen.
Er sieht nicht die Distanzen zwischen den Athleten.
Er kann Flugbahn und Tempo des Balles nur erahnen.
Er sieht nicht, ob der Ball kurz hinter dem Netz oder an der Grundlinie aufschlägt.
Er hält das alles nicht für ein athletisches Ereignis, sondern eher für ein hektisches und fehlerhaftes Ping-Pong-Spiel auf acht Quadratmetern Spielfläche.

Die Entwicklung der Fernsehsparten-Kanäle und die des Internet- Fernsehens gibt unserer Sportart neue und große Möglichkeiten der Präsentation. Derzeit vergeben wir sie. Sehen Sie mal bei Übertragungen auf Eurosport oder im Internet TV- Bilder, die den Wettkampf auch von der Seite zeigen oder von der erhöhten, seitlich-diagonalen Position. Klicken Sie mal auf www.youtube.com/watch?v=YdzGl3nyHlw (siehe Video), wo man einen Ballwechsel vom WM-Finale Schlager – Joo aus dem französischen Fernsehen sieht. Das etwa ist der Betrachtungswinkel, der die Bewegungsabläufe der Spieler, ihre Beinarbeit, ihre Platzierung der Bälle und die athletische Nutzung einer fast 100 qm großen Arena demonstriert und verständlich macht. Die Mehrzahl der Fernsehübertragungen bringt weder die Faszination noch die Athletik des modernen Tischtennisspiels rüber. Wir gewinnen dabei kaum neue Fans oder junge Leute, die „so ein tolles Spiel“ auch mal spielen wollen.

Man kann im Zusammenhang mit dem Thema Fernsehen viele Probleme anführen. Den Mangel an sachverständigen und zur Emotionalität fähigen Reportern etwa. Die geringe Zahl der Kameras. (Stellen Sie sich mal vor, Fußball, Skispringen oder Biathlon würde nur von jeweils zwei Kameras übertragen.) Oder das Fehlen von High-Tec und technisch-taktischen Erklärungen (Superzeitlupen unterschiedlicher Ball-Rotations-Frequenzen etwa, farbliche Markierungen von Ball-Flugkurven etc.). Aber all diese Dinge werden nicht kommen, solange nicht ein breiteres Publikum nachfragt und solange wir nicht der Öffentlichkeit grundsätzlich nachweisen können, dass unsere Sache faszinierend ist und faszinieren kann.

Solange unser Spiel im Wesentlichen von hinten und ohne seitliche oder erhöhte Diagonalkameras gezeigt wird, hilft uns das ohnehin selten vertretene Fernsehen jedenfalls nicht entscheidend weiter.

Was können wir tun?

1. Wir müssen die Aufschläge entschärfen und den Start in den Ballwechsel erleichtern.
Beispielsweise, indem wir die Bälle schwarz-weiß rastern und kennzeichnen. Das würde die Fehlerquote in der Aufschlag phase reduzieren, weil die Rotation des Balles leichter erkennbar ist.
Oder indem wir den Aufschlag abwechselnd diagonal in nur eine Tischhälfte platzieren lassen.
Oder indem ein diagonal gespielter Aufschlagball nach der Annahme im ersten Wechsel nur in das Feld zurückgespielt werden darf, aus dem er kam.
Wir müssen testen. Kreativität ist gefragt. Vorschläge sind willkommen.

2. Wir müssen darüber nachdenken, ob wir in Verbindung mit einer entschärften Aufschlagregel die Dauer eines Satzes zeitlich limitieren, die maximale Pause (z.B. 10 Sekunden) zwischen Punktgewinn/ Punktverlust und dem nächsten fälligen Aufschlag vorschreiben und damit gleichzeitig eine Verkürzung der Spieldauer, eine Verlängerung der Nettospielzeiten und eine unglaubliche Intensivierung des Wettkampfes erreichen.
Das würde natürlich den Einsatz von Uhren – wie in anderen Sportarten auch – bedingen. Wer beispielsweise nach fünf Minuten führt, hat den Satz gewonnen. (...)
Vielleicht können wir ja mit den Vereinen der DTTL, die aus vielerlei Gründen auf neue Impulse angewiesen ist, realitätsnahe Versuche starten, beispielsweise durch die Einführung eines einzelnen zeit limitierten Spiels in jedem Mannschaftskampf. (...)
Dass ich hier und in allen bisher erwähnten Problembereichen über die medienrelevante Präsentation unseres Sports auf der absoluten Leistungsebene rede und über Experimente, deren Tauglichkeit sich für die Breite unseres Spielbetriebs erst erweisen müsste, sollte klar sein. Aber der DTTB, der größte europäische Verband, der in diesen Dingen die volle Unterstützung der ITTF bekommen würde, sollte vorangehen, bei anderen gut organisierten Verbänden um Kooperation bitten und alle ITTF-Verbände mit solchen Überlegungen vertraut machen.

Revolutionen sind auch im Sport unbeliebt

Mir ist klar, dass Revolutionen auch im Sport unbeliebt sind. Die Spieler sind verständlicherweise überwiegend zufrieden mit den Regeln, nach denen sie trainiert und sich vorbereitet haben. Eine Mehrheit von ihnen war ganz sicher auch gegen das Verbot des Frischklebens. Aber es geht auch um ihre Zukunft. Und um die Motivation unserer vielen tausend Helfer und Mitarbeiter in Vereinen und Verbänden, deren gute Arbeit für einen tollen Sport nicht Stillstand verdient, sondern Wachstum und Erfolg.

Wir werden manches revolutionieren müssen, wenn wir nicht von neuen Sportarten, von neuen Sehgewohnheiten des Publikums und von den Zwängen einer neuen Medienwelt überrollt werden wollen. Tischtennis als Lifetime-Sport und -Spiel ist ein einzigartiger Wert. Wir dürfen ihn nicht durch Regeln gefährden, deren Unzulänglichkeit und Schwächen sich in der Praxis eindeutig erwiesen
haben.

Hans Wilhelm Gäb / Rahul Nelson / SH

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Kommentar von Ralph |

Nicht die Sportart muss revolutioniert werden, vielmehr die Vermarktung .
Wenn durch ein Hollywoodfilm (Aus der Mitte entspringt ein Fluß) das Fliegenfischen populär gemacht wird, könnte das auch beim Tischtennis der Fall sein. Nennt den Film Ma Long , ein Kind das im Shaolin Kloster lernt seinen Körper....
Ein Reaktionssport der höchsten Kategorie mit Zeitlupe in eine Kunstform zu bringen... Herrgott noch mal muss man denn alles selber machen ? smile

Kommentar von Christoph |

Super Artikel. Stimme allen Punkten zu und könnte man 1:1 umsetzen. Insbesondere die Länge der Spiele ist für Hobbysportler tödlich...ich kann nicht jede Woche 1 Spiel bestreiten, dass mit An/Abfahrt über 4 Stunden dauert nur um in dieser Zeit 45 Minuten Tischtennis zu spielen. Das ist völlig unverhältnismäßig. Hier wird sinnlos an 6er Mannschaften festgehalten. Würde am liebsten aufhören mit dem Sport.

Ich möchte auch kein Schupfduell/Zeitspiel mehr Zählen müssen. Das ist eine Zumutung.

Kommentar von Martin |

Ich stimme mit der generellen Aussage, dass man den Sport interessanter darstellen, bzw besser nach außen vermarkten muss überein. Auch dem 5. Punkt (TV) stimme ich komplett zu. Im Fernsehen sieht Tischtennis einfach furchtbar langweilig aus. Auch das mit den Emotionen, komplett richtig! Wieso darf Zhang Jike nicht ne klapprige Plastik/Papier Bande zerfetzen, nach all dem Druck und Stress den er hatte?? Das Ding kostet wahrscheinlich 1€. Es wird ihm aber gleich das ganze Preisgeld gestrichen???
Wenn im Fußball so Maß genommen würde, wären selbst die überbezahlten Fußballer arm.

ABER:
Die Ideen zur Änderung des Aufschlags kann ja nun wohl nicht ernst gemeint sein??!! Der Aufschlag ist eins der wichtigsten Dinge im Tischtennis. Wieso nicht den belohnen der Tage lang in seinem Leben Aufschläge trainiert? Durch einen immer diagonal ausgeführten Aufschlag geht doch schon von Anfang an die Spannung verloren. Vielleicht sollte der ein oder andere ein bisschen mehr Aufschlag UND Rückschlag trainieren. Auf dem Top Niveau von dem hier gesprochen wird, werden auf jeden Fall nicht sehr viele Fehler bei Aufschlag/Rückschlag gemacht. Das mag mal in einem Spiel vorkommen...

Dann stelle man sich vor die technisch überlegenen Chinesen wissen jedes Mal genau wo der Aufschlag hinkommt. Ihr Return würde jeden Punkt nach dem 2.Schlag beenden, spätestens nach dem 4., da es viel zu einfach wäre auf den Aufschlag die passende Antwort zu finden. Also BITTE lasst den Aufschlag wie er ist. Meiner Meinung nach muss man nur für die richtige Umsetzung des Aufschlags sorgen. In den Amateur Klassen vor allem wird zu 80% falsch serviert.

Kommentar von Bernhard Kretschmer |

Guten Tag,
mit Interesse habe ich die 5 Regeländerungen von Herrn Gäb gelesen.
Sind sicherlich einige gute Ideen dabei.

Bin am Wochenende Anfang Okt. 2016 bei Weltpokal in Saarbrücken gewesen und mir ist eine Sache aufgefallen, die als 6 Änderung angegangen werden kann.
War viele Jahre in Hessen als Schiedsrichter in der Bundesliga tätig und habe auch internationale Wettkämpfe an der Platte erleben können.
So weit entfernt wie in Saarbrücken habe selten von der Platte entfernt gesessen. Platz B10, Reihe 3 Platz 8 waren dabei noch dicht dran.

Frage:
Warum dreht man bei den Internationalen Turnieren am Ende die letzte Platte nicht um 90°.
Dann sieht der Zuschauer mehr. Und das ganze ohne Regeländerung.
Beim Fußball, Handball und anderen Sportarten sind die Grade und Gegengrade gute Plätze, beim TT jedoch können nur Funktionäre am Ende dort zusehen und sind dann selbst noch weit weg.
Hier wird auf den Zuschauer, der angeblich gewünscht ist, keine Rücksicht genommen.

Es grüßt
Bernhard Kretschmer

Kommentar von GLung |

Herr Gäb hat in allen Punkten recht.

Die Umsetzung wird jedoch kaum möglich sein, da für solche Regeländerungen die Wasserköpfe der Funktionäre zum dampfen gebracht werden müssen. Ich sage nur, und das nur in Deutschland, 16 Bundesländer, 20 Tischtennis Verbände.
Bei soviel " Entscheidern" ein kaum umsetzbares Mammutprogramm an Regeländerungen.

Jetzt ist Tischtennis ja keine Sportart, die nur in Deutschland, sondern Weltweit ausgetragen wird. Ein weiteres Manko, da noch mehr Wasserköpfe herum sitzen, die nicht im Sinne des Sports agieren, sondern mehr zum eigenen Wohl Funktionär sind.
Letztendlich hat Herr Gäb sehr gute Ansätze, die leider wohl alle im Sand verlaufen werden.

In Deutschland sollte an mal anfangen, zumindest das zu ändern, was national möglich ist. Z.Bsp eine Mannschaftsstärke für alle Spielklassen. Dazu ein Material des wichtigsten Spielgerätes, dem Ball.
Beim TTVR hat man dieses Jahr entschieden, dass jeder Verein spielen kann was er möchte. Die einen spielen mit Plastik, ( und hier gibt es Bälle, die mehr an Eier zu Ostern erinnern, als an die Spieleigenschaft eines Sportgerätes, dazu spielen andere Zelluloid. Ein Hinweis, wer mit welchem Material spielt sucht man unterhalb der Oberliga vergeblich. Ein Hohn vor dem Herrn.

Wenn mann sich nicht zu schade wäre, mal auf andere Sportarten zu schielen, dann lernt man schnell, was diese anderen Sportarten so attraktiv machen. Aber auch im Marketing kann man soviel vom z.B. Fußball lernen.
Einfach nur mal hinschauen und lernen. :).

Last but Not least, wir müssen lernen uns nicht kaputt zu regeln. Jedes Jahr werden neue Kühe durchs Dorf getrieben, wenn es um Regeländerungen geht. Wie möchte man jemandem TT Unbeteiligtem erklären, wie TT funktioniert, wenn man selber als Sportler das Regelwerk nicht mehr versteht, weil es sich ständig ändert.

Lieber Herr Gäb, viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Änderungen. Den Segen der Spieler haben Sie.

Mit sportlichem Gruß

Glung

Kommentar von Robert Graf-Waczenski |

Ich finde den Gedanken mit dem Zeitlimit sehr gut.

Aber ich würde mir wünschen, dass die Mannschaftswettkämpfe zeitlich begrenzt wären, z.B. für Vierermannschaften ein Limit von zwei Stunden für die ganze Begegnung, wobei allerdings das am eigentlichen Ende der Zeit laufende Spiel (oder die beiden, bei zwei Tischen) noch zu Ende gespielt werden.

Ich würde nur noch ein Doppel ansetzen, z.B. in der Mitte des Spiels, also nachdem 1:2, 3:4, 2:1 und 4:3 gespielt sind. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man dieses Doppel auch erst aufstellt, wenn die ersten vier Einzel gespielt sind, das gibt mehr taktische Möglichkeiten. Nach dem Doppel geht es dann weiter mit 1:3, 2:4, 3:1 und 4:2. Den starren Zwang, spielstarke auch an vorderen Positionen einzusetzen könnte man auch abschaffen, so könnte eine schwache Mannschaft beim Spiel gegen einen sehr starken Gegner durch geschicktes Aufstellen ein knapperes Ergebnis erzielen.

Aber am besten würde mir der Gedanke mit dem Zeitlimit gefallen, das ermöglicht es den Spielern, nach dem Spiel noch was mit dem Rest des Tages anzufangen. Außerdem wäre das auch interessanter für die Zuschauer, ähnlich wie beim Fußball: Den Sport an sich finde ich ja doof, aber ich finde es dennoch spannend, einer im Rückstand liegenden Mannschaft in der Endphase zuzuschauen, wie sie noch Gegentore machen und vielleicht das Spiel noch rumreißen.

So was vermisse ich beim TT, auch Laien könnten dann einem TT-Mannschaftsspiel etwas abgewinnen und könnten auch den Termin inkl. Anreise viel besser planen.

Kombiniert mit dem Zeitlimit für die einzelnen Sätze wäre so was auch für 6er-Mannschaften umsetzbar. Manch einem älteren Spieler würde die Umstellung allerdings sicher schwerfallen, einer bei uns spielt seine Sätze fast immer bis kurz vor das Zeitspiel, ein Fünfsatzmatch dauert bei ihm gerne mal über eine Stunde *schnarch*.

Sportliche Grüße,

Robert

Kommentar von Adrian |

Ich begrüße die Vorschläge zur Veränderung des Tischtennis.

Mit einer Änderung des Aufschlags befürchte ich vielmehr eine negative Entwicklung. Der Aufschlag ist der einzige Schlag, der ein Spieler ohne Einfluss und Druck des Gegners ausführen kann. Man kann seine eigenen Stärken und die Schwächen des Gegners ausspielen (meines Erachtens eine Grundlage des Leistungssportes). Sobald man nun “vorgeschriebene“ Aufschläge einführt, fällt die Individualität der Spieler weg. Wenn einer der nächste Punkte ist, dass man Tischtennis für TV-Anstalten attraktiver machen möchte, finde ich das schon sehr komisch. Man müsste befürchten, dass Kommentatoren mit Sätzen kommen “Jetzt kommt dann gleich wieder der diagonale Aufschlag, den der Gegner diagonal zurück spielt“.
Positiv hingegen sehe die Einführung von zweifarbigen Bällen, denn das wäre keine neue Reglementierung, sondern eher eine weitere Entschärfung, mit denen wir schon mehrfach gute Erfahrungen (40mm-Ball, Frischklebe-Verbot) gemacht haben.

Als Tischtennisspieler der Schweiz kennen wir lange Anfahrtszeiten (zum Glück) nur in den obersten Spielklassen. Dafür haben wir keinen großen Austausch zwischen den ca. 6000 Lizenzierten Spieler. Das heißt man kennt sich. Über Jahre spielt man gegen die etwa gleichen Spieler, was natürlich nicht gerade zur Popularität unseres Meisterschaftsbetriebes beiträgt. Ich persönlich gehe seit einiger Zeit sehr gerne Turniere, die etwas weiter entfernt sind, um einmal wieder gegen Spieler anderer Regionen zu spielen (kann aber auch keine langfristige Lösung sein). Es würde mich freuen, wenn man mehr Turniere im Ausland spielen könnte und so auch neue Kontakte knüpfen könnte.

Aus meiner Sicht haben wir aber auch ein großes internes Problem: Wir reden unseren Sport je länger desto mehr schlecht. Wenn man immer nur eine negative Sicht auf sich selbst hat, muss man sich nicht wundern, dass die öffentliche Berichterstattung meist im gleichen Ton daherkommt.

Kommentar von Joerg |

Bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen. Habe in der Jugend gespielt und nun nach über 20 Jahren wieder angefangen. Meine Sicht ist also eher die eines Outsiders. Beruflich bin ich im Marketing sehr erfolgreich und ich muss leider sagen Hr. Gäb hat absolut Recht. Der Sport fällt aus der Zeit. Als Amateurspieler kann einem das egal sein. Man liebt seinen Sport und man spielt für sich und seine Mannschaft und da es im TT nie viele Zuschauer gab, können die einem auch egal sein. Fakt ist aber, das dann nur noch Kinder von TT-Begeisterten spielen werden und man kann sich leicht ausrechnen, das es langfristig zum Ende des Sports kommen wird. Nach meinem ersten Training bin ich mal ins Netz und habe mir ein paar Highlight-Videos von Boll angesehen. Das macht einem richtig Lust, aber was sieht man dort ? SPEKTAKULÄRE BALLWECHSEL !! Wie oft sieht man die in einem Live-Spiel ??? Der Aufschlag muss verändert werden. Kann sich noch jemand an Ivanisevic im Tennis erinnern ? Der hat mit 200 Km/h aufgeschlagen und entweder mit As oder dem Nachsetzen ans Netz die Punkte gemacht. Es war die Hölle dem zuzusehen. Die Attraktivität liegt in Ballwechseln, dem hin- und her, der Athletik in den Bewegungen. TT ist in dieser Form ein Sportler-Sport kein Zuschauer-Sport. Darüber hinaus müsste aber noch weit mehr passieren.

Kommentar von Peter |

Ich bin erst heute, das bedeutet also sehr sehr spät, auf diesen Artikel gestoßen. In vielen Punkten kann ich zustimmen, allerdings nicht in allen. Für mich gibt es kein attraktiveres Spiel als Angriff gegen Abwehr, und unter den Abwehrspielern befinden sich nun mal regelmäßig Materialspieler. Ist das schlimm? Ich finde "NEIN"! Das ist es überhaupt nicht. Der Ursprung im TT-Spiel lag nun mal nicht bei Noppeninnenbelägen. Das Materialspiel wurde zwischenzeitlich massiv entschärft und der neue Plastikball hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran. Eine weitere Zensur ist für mich nicht zielführend. Material macht das Spiel nicht kaputt. Lediglich der Spielverlauf ist ein anderer. Jeder Spieler hat die Auswahl an einer bestimmten Anzahl von Materialien. Er kann also frei bestimmen, für was er sich entscheidet. Wenn Materialspieler tatsächlich einen so wahnsinnig großen Vorteil hätten würde es deutlich mehr geben. Lasst bitte die Materialspieler am Leben.
Abschließend noch eine Anmerkung. Sport soll Spaß machen. Ich persönlich lege auf eine bessere Vermarktung keinen Wert. Ich brauche weder volle Hallen noch eine johlende Zuschauermenge. Begeisterte Spieler sind wichtiger als begeisterte Zuschauer und grölende Massen. . Der TT-Sport wird deswegen nicht aussterben.
Ich konnte in der Vergangenheit nicht erkennen, dass irgendeine Neuregelung unseren Sport für die Zuschauer attraktiver gemacht hat. Ich spiele für mich und meinen Verein, und nicht in erster Linie für die Zuschauer.

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