Die (Un-) Logik der 6er Mannschaften im Tischtennis

eine Hinterfragung des 6er Paarkreuzsystem

 

erade in den Diskussionen um die Reduzierung der Mannschaftsstärke im Tischtennis wird der 6er Mannschaft eine Reihe von wichtigen Eigenschaften nachgesagt. Diese stellen wir auf den Prüfstand.

Die 6er Mannschaft fördert den Nachwuchs, stärkt das Mannschaftsgefühl und sorgt für Spannung im Tischtennis Punktspiel.

Das möchte ich an dieser Stelle bezweifeln.

Wir haben den Spielverlauf im modernen 6er Paarkreuz:

D A1 – B2
D A2 – B1
D A3 – B3

E A1 - B2
E A2 - B1
E A3 - B4
E A4 - B3
E A5 - B6
E A6 - B5
E A1 - B1
E A2 - B2
E A3 - B3
E A4 - B4
E A5 - B5
E A6 – B6

D A1 – B1

Abbruch nach dem 9. Punkt

6er Mannschaften fördern den Einsatz von Nachwuchsspielern im Tischtennis

Aus dieser oft wiederholten These folgend kann man schließen, daß der Nachwuchsspieler häufiger an Position 6 die Chance erhält in der höheren Mannschaft einen Platz zu bekommen.
In der Mehrzahl der Spiele kommt der 6er nur zu einem Einzel und immer gegen den 5er. Aber gerade in höheren Klassen ist der 5er oft noch recht stark, so daß der Jugendspieler wenig Erfolgserlebnisse hat. Kommt er aber ein 2. Mal zum Zuge, ist die Spielsituation sehr eng, so daß ein enormer Druck auf ihm lastet. Ob man ihn damit fördert, möchte ich bezweifeln.
Die Alternative wäre bei z.B. 4er Mannschaften, daß der Nachwuchsspieler in einer tieferen Klasse gegen ähnlich starke Gegner spielt. Dort bestreitet er eher beide, trägt mehr zum Erfolg / Misserfolg der Mannschaft bei und muß deutlich weniger Zeit opfern, um Tischtennis spielen (was den Konflikt mit der heute stärkeren Beanspruchung in der Schule entschärft).
Leider werden von vielen Kader-Trainern Mindestspielklassen für die „Kaderkinder“ in den Vereinen durchgesetzt. Ich halte dies für fragwürdig. Sicher ist, daß das „Standing“ von Klassen in dieser Tischtennis Szene zu wichtig genommen wird. Da sollte m.M. nach anders agiert und weniger auf Spielklasse sondern mehr auf Spielstärke geachtet werden.

6er Mannschaften fördern das Gemeinschaftserlebnis im Tischtennis

Eine Gemeinschaft ist immer so stark, wie ihr schwächstes Glied. Aber was wird im modernen Paarkreuzsystem im Tischtennis gemacht? Je schwächer ein Spieler ist, umso mehr wird er ausgeblendet. Das betrifft auch den Spannungsbogen: Welcher Logik folgt denn diese Reihenfolge: Erst die stärksten Spieler gegeneinander antreten zu lassen um dann das Niveau immer weiter zu senken?
Richtig wäre die Reihenfolge umzukehren: Also erst 6-6, 5-5, 4-4 usw. Damit würde das Niveau der Einzel weiter steigen und man könnte die Position der Spieler im unteren Paarkreuz stärken. Man stellt damit ein Gleichgewicht zwischen Ranking und Reihenfolge her. Z.Z. Nimmt mit abnehmender Position gleichzeitig die Wichtigkeit des Spielers ab. Die unteren Paarkreuze sind oft nur Anhängsel.
Mit dem aktuellen 6er System hofiert man lediglich die Spitzenspieler. Die Förderung einer gleichberechtigten Gemeinschaft ist das nicht.

Was sind die Alternativen?

Wollte man das Mannschaftsgefühl im Tischtennis ernst nehmen, wäre es natürlich ein Leichtes die Reihenfolge umzukehren. Dies entspräche auch dem logischen Spannungsbogen. Und der Jugendliche an 6 käme (fast) immer 2x zum Spielen und könnte wichtige Erfahrungen sammeln und der Druck wäre etwas geringer.
Vielleicht macht es dann aber nicht mehr so viel Spaß sich einen Tschechischen oder woher-auch-immer Spitzenspieler einzukaufen.

Ausblick

Aus verschiedenen Gesichtspunkten bleibt aber die Frage, ob dieses Paarkreuzsystem überhaupt zeitgemäß ist. Ich würde ein System präferieren in dem jeder gg. Jeden spielen kann. Das Schwedenliga 3er Mannschaftssystem beispielsweise bietet jedem Spieler bis zu 3 Einzeln in einem gleichberechtigtem Mannschaftserlebnis.

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