• wie wird Tischtennis in der Zukunft gespielt?

Nachwuchsarbeit im Tischtennis neu denken

es gibt genügend motivierte Hobbyspieler im Tischtennis
es gibt genügend motivierte Hobbyspieler im Tischtennis

Die Zahlen der aktiven Tischtennisspieler nimmt von Jahr zu Jahr stetig ab. Im Nachwuchsbereich ist diese Entwicklung noch beängstigender. Daher müssen wir uns neben einer verstärkten Jugendarbeit besonders um neue Zielgruppen bemühen.

Das Problem der Rückläufige Zahlen im Jugendbereich haben die Verbände erkannt und versuchen mit einigen Aktionen (z.B. dem Rundlauf Team Cup an Schulen) dem entgegen zu wirken. An der Entwicklung ändert dies nur wenig.

Die Nachwuchsarbeit hat 3 Problemfelder

  • zu wenige Kinder finden zu unserem Sport
  • Von den wenigen Kindern finden zu wenige den Weg in die Erwachsenenmannschaften.
  • Es gibt zu wenige Trainer und Betreuer

Hinzu kommen noch weitere Komponenten wie z.B. Kontinuität. Wenn das Training ein halbes Jahr ausfällt, weil der einzige Trainer in der Zeit nicht zur Verfügung steht oder wie erlebt wegen Corona, fängt man oft nahe Null wieder an.

Die Zielvorgabe, die hinter jeder Nachwuchsarbeit stehen muss, lautet: Wenn ich heute in meine Jugendarbeit investiere, wie viele Spieler werde ich in 8-10 Jahren in meinen Herren- oder Damenmannschaften erwarten?

Dann stellt sich die Frage, wer die ganze Arbeit leistet. Gibt es mindestens 2 Trainer? Wer übernimmt die Fahrten? Usw.

Daher lasst uns eine komplett andere Zielgruppe ins Auge fassen:

 

Tischtennis "Nachwuchstraining" für Erwachsenen

Bei den Erwachsenen gibt es eine Reihe an sehr interessanten Zielgruppen wie z.B. Tischtennis für Senioren, da Tischtennis eine Gesundheitssportart ist. Hierbei besonders beachtet Tischtennis gegen Parkinson.

Aber ich möchte auf eine andere Zielgruppe hinweisen, die durchaus noch im mittleren Leistungsbereich eine Bereicherung für unsere Mannschaften sein kann.

Auf den Mannschaftssportler, der inzwischen zu alt für Fußball oder Handball ist.

Welche Voraussetzungen bringt diese Gruppe mit?

  • Diese Gruppe ist mit Vereinssport aufgewachsen
  • ist sportlich ausgebildet
  • hat eine Affinität zum Ball – kann daher jede andere Ballsportart leichter erlernen (und hat prinzipiell Spaß an einem Sport mit Ball)

Warum ist Tischtennis für diese Gruppe attraktiv?

Tischtennis kann auch draußen trainiert werden
Tischtennis kann auch draußen trainiert werden
  • Viele dieser Kandidaten sitzen zu oft oft vor dem Fernseher und sind "faul" geworden
  • bei manchen zeichnet sich eine Kugel unter dem T-Shirt ab – und sie wollen (oder müssen) sich wieder mehr bewegen
  • es fehlt diesen Menschen die sportliche Auseinandersetzung.
  • Und diese Sportler kennen und lieben den Zusammenhalt im Vereinssport

Daher für uns eine ideale Zielgruppe.

Die „Ausbildung“ bzw. das Kennenlerntraining verlangt von euch als Verein einen sehr überschaubaren Einsatz und eine unmittelbare Erfolgsrückmeldung.

Einen Einsteigerkurs kann man mit einer festen Anzahl an Trainingsstunden kalkulieren z.B. 12 Trainingsabende von je 1,5-2 Stunden. Ich würde immer mit zwei Trainern arbeiten, wobei eine feste Bezugsperson immer vor Ort sein sollte.
Wie man dies auch plant, es ist ein sehr überschaubarer Zeitrahmen im Gegensatz zum Kindertraining. Für diesen festgelegten Rahmen werden sich viel eher Spieler in eurem Verein finden, die sich engagieren.

Nach den 12 Wochen in diesem Beispiel bekommt man eine direkte Rückmeldung (meistens schon eher).

  • Wer hat Lust dauerhaft zu spielen?
  • Wer hat hat welche Vorausbildung
  • Und wer ist Entwicklungsfähig?

Ein Teil dieser neuen Aktivposten sind durchaus sehr ehrgeizig. Manche schaffen es sich in die Kreisliga oder sogar bis in den Bezirk hoch zu kämpfen. Wenn ihr es also gut anstellt und eine interessante Gruppe findet, habt ihr eine große Chance euren Kader mit guten Spielern zu ergänzen.

Warum kommen die denn nicht einfach vorbei?

Eine gute Frage. Fast jeder Verein hat ein offenes Training, bei dem neue Spieler willkommen sind. Aber so funktioniert das nicht. Ihr wisst das, aber diejenigen außerhalb vielleicht nicht. Und dann werden einige auch Bedenken haben, dass im Verein alle viel zu gut sind. Blamieren will sich niemand. Manche sind auf dem Sofa schon so fest verwurzelt, dass sie ein wenig Hilfe benötigen.

Auf der anderen Seite. Wie ist das wenn zu Saisonbeginn ein neues Gesicht, ein Anfänger in die Halle kommt aber alle dabei sind ihre Form, wieder zu finden. Man spielt dann drei Alibi Bälle mit dem Neuling und versucht ihn dann lautlos weiter zu reichen. Daher klappt das so nicht immer.

Die TT-Interessierten benötigen eine Einladung und es muss ihnen erklärt werden, dass sie willkommen sind und dass sich um jeden gekümmert wird und sie die ersten Grundschläge von einem Trainer erlernen. Und ihr wisst: Heute kümmere ich mit um die neue Gruppe und morgen ist mein Training.

 

Welche Vorbereitungen sind notwendig?

Setzt für den „Kurs“ einen festen Rahmen.

  • Gebt dem Kind einen Namen: z.B. „Tischtenniskurs für Anfänger und Wiedereinsteiger“ Erwachsenenkurs
  • Zeit: z.B. 12 Trainingsabenden
  • Größe des Kurses: z.B. für 10 Spieler (nicht beliebig anbieten. Wenn die Gruppe zu groß ist, können nicht alle spielen und die Trainer können weniger helfen. Das führt eher dazu, dass Spieler frustriert aufhören. Lieber später einen zweiten Kurs in Aussicht stellen. Außerdem ist eine limitierte Anzahl an Plätzen ein größerer Anreiz sich anzumelden)
  • Wer macht es: TTV Euer Verein
  • unter Leitung unseres Trainers
  • Was wird gelernt: Grundschläge im Tischtennis
  • Wann und wo
  • Preis: ? Alles hat seinen Preis. Verkaufen wir uns nicht umsonst zu billig. Das wird nicht honoriert. Der Preis sollte natürlich nicht abschrecken. Aber 10,- Euro sollte man nehmen um damit Kosten z.B. für das Abschlussturnier zu begleichen. Wenn jemand einen Preis bezahlt hat, fühlt er sich stärker motiviert an den Trainingstagen teilzunehmen.

 

Setzt euch zusammen und klärt, wer für welchen Bereich verantwortlich ist.

Kreiert einen Flyer und Plakat.

Auf dem Flyer gebt die Möglichkeit der Rückmeldung also Telefonnummer und Emailadresse an.

Vielleicht ist es auch eine gute Idee abzufragen, ob jemand prinzipiell Interesse hat aber in diesen 12 Wochen oder an dem festgesetzten Trainingstag keine Zeit hat.

Wie kommt man Kontakt zu dieser Zielgruppe?

Sprecht den örtlichen Fußballverein an und bietet ein Probetraining für ehemalige Kicker an.

Dorffeste oder Feiern des Gesamtsportvereins können eine gute Plattform sein. Stellt dort eine Outdoor Tischtennisplatte auf und verteilt eure Flyer.
Wenn ihr die Flyer in den Briefkästen der Nachbarschaft verteilt, könnt ihr natürlich nicht solch eine homogene Gruppe erwarten wie „Ex-Fußballer von 30-45“.

Eine weitere sehr interessante Zielgruppe sind eure ehemaligen Kinder, die ihr eine Zeit lang ausgebildet habt und die dann leider irgendwann aufgehört haben. Diese haben oft wegen äußerer Gründe (Schule, Zeitüberschneidung mit anderen Sportarten) aufgehört. Es lag weder am Tischtennis selbst noch an eurem Verein. Daher wird ein Blick in euer Archiv eine gute Quelle sein.

Eine Anmerkung:

Wiedereinsteigertraining kann natürlich nicht das Kindertraining ersetzen. Wir müssen heute Kinder ausbilden, damit unsere Sportart auch in weiteren Jahren gespielt wird.

Aber wie können wir jetzt mit begrenztem Aufwand Spieler gewinnen?

Ich höre bei mir im TT-Shop häufiger die Frage, wo es in unserer Region Anfängertraining für Erwachsene gibt. Die Antwort ist traurig: gibt es nicht oder zumindest viel zu wenig.

Und das sollte man ändern. Das ist eine Zielgruppe, die wollen.

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Kommentar von Albrech Baume |

@Markus: Das Wort „Wertschätzung“ ist seit dem Fall David Alaba verbrannt.

Antwort von Markus Thies

Wer sein Herz an eine Millionen-Industrie hängt und sich dann wundert, dass dort keine anderen Werte als Euro und Dollar die Handelnden antreibt, der sollte sein Tun hinterfragen.

Ich werde den Begriff "Wertschätzung" weiter dort benutzen, wo er angebracht ist.

Mit "wertschätzenden" Grüßen ;-)

Markus

 

Kommentar von Albrecht Baume |

Ich sehe es genau wie Rudi. Qualitativ gute Jugendarbeit kostet richtig Geld. Wenn aber die besten Talente regelmäßig (ohne Entschädigung) abgeworben werden und die mittleren Talente nicht bis zum Erwachsenenbereich durchhalten, bleibt für den Großteil der engagierten Verein nur die alte Regel: “Außer Spesen nichts gewesen.”

Kommentar von Thomas Dick |

Gute Ansätze von Markus. Sie verpuffen leider nur, wenn die grundsätzliche Problematik des "schlechten Images des Ehrenamtes" in Relation zu den gesellschaftlichen Realitäten der Bedeutung unseres Sportes nicht in Angriff genommen wird. Deshalb habe ich dazu eine etwas andere Auffassung zum Lösungsansatz . https://www.tischtennisinstitut.eu/weisse-fahne-oder-handtuch/

Antwort von Markus Thies

Hallo Thomas,

ich verstehe meinen Beitrag nicht als Alternative zu professionell aufgestellten Vereinen. Es liegt mir viel mehr im Sinn, kleinen Breitensport-Vereinen eine Idee an die Hand zu geben, wie man mit geringem Einsatz, vielleicht doch etwas bewegen kann.

Das ersetzt nicht deine Diskussion zu Wertschätzung von professionellem Training, die ich sehr gut finde. Ist aber ein anderes Thema.

Kommentar von Rudi Endres |

Ich komme aus einem Verband, in dem der Seniorensport seit Jahrzehnten eine sehr große Bedeutung hat. Das hatte allerdings eine geringere Wertschätzung für die Jugendarbeit zur Folge. Anders kann man die Statistiken nicht interpretieren. Erst allmählich findet ein Umdenken statt, ausgelöst durch das altersbedingte Ausscheiden vieler Senioren. Derzeit macht über die Hälfte aller Vereine keine Jugendarbeit. Eine organisierte, geplante Nachwuchsarbeit gibt es nur in wenigen Vereinen. Die Lösungsvorschläge und Kommentare dazu sind im Großen und Ganzen seit 25 Jahren die Gleichen. Geändert hat sich wenig. Ein positiver Einfluss des überaus erfolgreichen Profisports ist nicht feststellbar. Ich wehre mich aber dagegen, in den „uneinsichtigen Vereinsfunktionären“ die Schuldigen zu sehen. Ein System funktioniert nur, wenn alle Seiten profitieren. Das ist im Tischtennis, im Gegensatz zum Fußball, nicht der Fall. Vereine müssen eine Kosten-Nutzen-Analyse aufstellen. Trainerhonorare und zusätzliche hohe Hallengebühren müssen erwirtschaftet werden. Es nützt einem Verein nichts, wenn die von ihm ausgebildeten Spieler*innen erfolgreich für andere Vereine antreten, die dafür auch noch Zuschüsse abschöpfen können (Beispiele per Email).
Die Verbände sind finanziell abhängig von den Erfolgen. Kein Wunder, dass außer Sonntagsreden und wohlklingenden Appellen wenig für den Breitensport übrigbleibt. Trainer werden auf ihrer jeweiligen Ebene ebenfalls an den Erfolgen gemessen und sind nicht am Breitensport interessiert. Klar, dass sie ihre „eigenen“ Leute bevorzugen.
Fazit: Wir brauchen einen Kostenausgleich. Die Vereine müssen nichts verdienen, aber sie sollten auf ihre Kosten kommen. Geschieht dies nicht, so wird die negative Entwicklung so weitergehen. Wenn die Basis wegbricht, gibt es keine Talente mehr.

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