Spielsystem und Spieldauer im Tischtennis-Herrenbereich

Die Diskussion ist nicht neu. Aber in vielen Bereichen des Tischtennissports wächst der Druck und die offensichtliche Frage: Ist unser Spielsystem noch zeitgemäß?

 

R. Merkel hat sich als betroffener Spieler zu dem Thema geäußert und einen offenen Brief an den Tischtennis Regionsverband Südniedersachsen gesendet.

Zu R. Merkel:

Jahrg. 1975
Studiendirektor
verheiratet, 4 Kinder
spielt seit seinem 10. Lebensjahr Tischtennis
neben seinen Einsätzen in der Bezirksklasse betreut er seine beiden Söhne, die er für das Tischtennisspiel begeistern konnte.

 

---Brief Anfang---

Spielsystem und Spieldauer im Herrenbereich

 

Sehr geehrte Vorstandsmitglieder des Regionsverbandes,

 

die Rückserie der laufenden Staffel hat begonnen – für einen passionierten Tischtennisspieler wie mich ein Grund zur Freude! Diese Freude aber ist nicht ungeteilt. Denn zugleich sehe ich mit Sorge den damit verbundenen Belastungen entgegen. Belastungen? Durch ein Hobby?

In der Tat wird für mich als Vater von drei Kindern (9, 7 und 3 Jahre) eine Punktspielsaison unter dem gegenwärtigen Spielsystem mehr und mehr zum Belastungstest. Seit fast 30 Jahren spiele ich begeistert Tischtennis, nehme ziemlich regelmäßig am Punktspielbetrieb teil und habe bereits meinen beiden älteren Kindern die Freude an diesem schönen Sport vermitteln können. Das Spielsystem in Sechser-Mannschaften ist allerdings immer ungünstig gewesen. Mittlerweile komme ich damit deutlich an meine Grenzen.

Schaut man sich einmal die Hinserie in meiner gegenwärtigen Spielklasse (Bezirksverband BS, 1. BK Herren Gö) genauer an, kann man schnell erkennen, dass …

  • ein Punktspiel im Durchschnitt knapp drei Stunden dauert (2:58 min),

  • jedes fünfte Punktspiel (und zugleich jedes dritte abends angesetzte Spiel) nach 23.30 Uhr endet,

  • ein Spielende nach 00.00 Uhr kein Einzelfall ist (in 5 von 45 Spielen),

  • 36% der Spiele so deutlich ausgehen, dass (mehr als) die Hälfte aller Spieler nur ein Einzel spielt (9:3 oder deutlicher).

 

Was ich mit diesen Zahlen sagen will, liegt auf der Hand: Die Spiele dauern, gemessen an der individuellen Spielzeit, zu lange. Jeder weiß aus Erfahrung, dass mit den Zeiten zum Umkleiden, Duschen, Einspielen, An- und Abreisen resp. Auf- und Abbauen noch einmal ein beträchtlicher zeitlicher Aufwand hinzukommt. In der Regel ist eine „Nachtmahlzeit“ ebenfalls unverzichtbar. Durch die langen Wartezeiten zwischen den Spielen kühlt der Körper aus.

Wer berufstätig ist, kann das in der Woche nur mit Mühe verkraften. Wer Familie hat, kann die Belastung auch am Wochenende kaum kompensieren. Eine prinzipielle Verlagerung der Spiele auf die Wochenenden ist vor diesem Hintergrund keine Lösung, zumal viele Spieler am Samstag oder Sonntag Privattermine wahrnehmen wollen.

Mit all diesen Widrigkeiten ist das Problem noch nicht einmal vollständig beschrieben, denn die langen Spielzeiten stellen auch die Vereine vor Herausforderungen. In vielen kleineren Spielstätten kommt es zur Kollision mit Jugendspielen, die knapp kalkuliert werden müssen. In manchen Hallen geht um 0.00 Uhr das Licht aus.

Des Weiteren habe ich darauf verzichtet statistisch auszuwerten, wie es sich mit den Einsätzen von Ersatzspielern verhält. Es ist allerdings trivial, dass bei größeren Mannschaften die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen der Stammbesetzung steigt. Es ist anzunehmen, dass etwa im Vergleich zu Vierermannschaften häufiger auf Ersatzspieler zurückgegriffen wird – was sowohl zu dauerhaften Qualitätsverlusten im unteren Paarkreuz führt als auch einen organisatorischen Mehraufwand bedeutet. Bei der Mannschaftsmeldung wird es besonders für Vereine in der Fläche schwieriger, vollständige Mannschaften verlässlich zu stellen. Kleinere Systeme dagegen kommen der Entwicklung des Tischtennissports zugute.

Warum teile ich diese Bemerkungen so ausführlich mit? Nach Gesprächen innerhalb wie außerhalb meines Vereins ist mir deutlich geworden, dass mein Standpunkt keine Einzelmeinung darstellt. Vielmehr geht es zahlreichen Sportkameraden genauso wie mir. Darüber hinaus kenne ich mehrere qualifizierte Tischtennisspieler, die aus den beschriebenen Gründen aus dem Wettkampfsport ausgestiegen, mit ihrer Entscheidung aber eigentlich nicht glücklich sind.

 

Im eigenen Interesse, aber auch im Namen vieler Sportkameraden und im Interesse der Entwicklung des Tischtennissports bitte ich den Regionsverband zu prüfen, inwieweit Spielsysteme mit vier (oder gar drei) Spielern möglich sind. Natürlich haben bestehende Traditionen immer eine gewisse Unangreifbarkeit. Erfahrungen mit alternativen Spielsystemen gibt es allerdings mehr als genug.

Als 1990/91 die Mannschaftsstärke in der 1. BL auf vier Spieler reduziert wurde, stand der Gedanke Pate, den Sport attraktiver zu machen. Das wäre auch für untere Spielklassen ein schöner Effekt.

 

Mit freundlichen, sportlichen Grüßen

---Brief Ende---

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