Tischtennis muss einfacher werden

mit Clickball zu weniger Spin im Tischtennis
Clickball kann immer mehr begeistern

Der Tischtennistennis Sport hat es heute nicht gerade leicht. Die Zahl der im Verein gemeldeten Spieler sinkt jährlich. Von ca. 820000 im Jahr 1989 gemeldeten Spieler sind 2016 noch 570.000 übrig geblieben, Tendenz sinkend.

Tischtennis wird dabei von zwei Seiten in seiner heutigen (Vereins-)Existenz bedroht.

Eine der größer werdenden Probleme des Tischtennis ist die schlechte Außendarstellung.

Auf der einen Seite ist die mediale Darstellung der Sportarten wird immer wichtiger geworden. Hier hat Tischtennis in den vergangenen Jahren nicht punkten können. Außer vielleicht bei Olympia wird Tischtennis in der Öffentlichkeit leider nicht wahrgenommen.
Wir kennen dies zwar nicht anders. Aber heute spielt die mediale Präsenz eine viel wichtigere Rolle als noch vor einigen Jahren. Praktisch sind heute die meisten Menschen ständig online. Wahrgenommen wird, was über die sozialen Medien geteilt und gesehen wird.
Auf der anderen Seite nimmt die traditionell große Anzahl der in Vereinen organisierten Spieler überdurchschnittlich (im Vergleich zu anderen Sportarten) ab.
Daher ist die Notwendigkeit nach Möglichkeiten zu suchen, unseren Sport wieder attraktiv zu präsentieren inzwischen eine Überlebensfrage geworden.

Es gibt ein sehr interessantes Interview von Barry Hearn einem der erfolgreichsten Sportvermarkter. So hat er z.B. Dart und Snooker in die öffentliche Popularität geführt. In dem Interview in der FAZ spricht er davon, welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, eine Sportart erfolgreich zu machen.

Besonders geht er auf die Idee ein, Tischtennis als Ping Pong erfolgreich vermarkten zu können. Er sieht darin eine große Wachstumschance. Das ist an sich sehr interessant und ein wichtiger Grund, seine Thesen bzw. Ideen zu beleuchten.

„Ganz einfach: Tischtennis ist zu spinorientiert geworden. Wer soll sich das anschauen außer einem kleinen Kreis an fachkundigen Zuschauern? Es gibt kaum längere Ballwechsel. Aber genau das ist das Spannende. Unser Pingpong bietet wegen der harten Schlagbretter genau das: Die Sportler müssen athletischer sein, weil die Ballwechsel länger sind. Das Spiel ist dadurch viel telegener. Die Zuschauer haben mehr Spaß und kommen zu unseren Turnieren in große Hallen. Pingpong ist gerade unser Wachstumsprodukt.“

Wir müssen diesen Blick von außen nicht nur ertragen und abtun. Sondern im Gegenteil sollten wir froh darüber sein, von solch fachkundiger Stelle eine Einschätzung unseres Sports zu bekommen.

Der zentrale Satz „Tischtennis ist zu spinorientiert geworden. Wer soll sich das anschauen außer einem kleinen Kreis an fachkundigen Zuschauern?“ beschreibt das ganze Dilemma. Jedes Jahr werden noch spinnigere Beläge entwickelt und das Spiel wird noch Technik-lastiger und noch undurchschaubarer.
Was die Tischtennisindustrie jedes Jahr als Weiterentwicklung feiert, stellt sich in dem Blickwinkel als fatale Entwicklung für unseren Sport dar.

Um den Tischtennissport, Ping Pong oder wie man es immer nennen will erfolgreicher zu machen muß es wieder einfacher gemacht werden.

Es gibt auch heute schon eine Reihe an Traditionalisten, die Fans von Hardbat Tischtennis oder seit einigen Jahren den Clickball.

Hardbat oder auch Brettchen sind Tischtennisschläger mit klassischen Kurznoppen ohne Schwamm auf beiden Seiten. In der Szene gibt es einige Turniere, auf denen man ausschließlich mit Brettchen gespielt wird.
Auf einigen Turnieren bringt man seine eigenen Hardbats mit auf anderen werden die Schläger vom Ausrichter gestellt.
Clickball ist eine internationale Bewegung, die inzwischen auch in Deutschland angekommen ist. Jedes Jahr werden die Clickball-Weltmeisterschaften ausgetragen. Vorher tragen die einzelnen Länder ihre nationalen Meisterschaften aus, die als Qualifikation für die Weltmeisterschaft dienen.

Clickball wird mit einem einheitlicher Schläger gespielt, der statt eines Belages mit Sandpapier beschichtet ist.

Neben dem einheitlichen und rotationsarmen Schläger fällt beim Clickball die ausgelassene Stimmung auf, mit der man auch Außenstehende begeistern kann. (siehe Video)

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ob man solch eine Entwicklung parallel zu unserem „richtigen“ Tischtennissport begleiten kann bzw. sollte, oder ob es sinnvoll ist einen großen Schnitt zu wagen und Tischtennis in Richtung Hardbat neu zu definieren?

Man muß dazu wissen, daß es heute auch nicht freigestellt ist, mit welchem Material gespielt wird. Die zugelassenen Tischtennismaterialien werden von ITTF definiert. So darf z.B. der Tischtennisbelag die Gesamtdicke von 4 mm nicht überschreiten. Es ist auch heute nicht alles erlaubt. Nur spielt die Weltelite anderes Material als handelsüblich zu kaufen ist. Tischtennisbeläge werden den Spitzenspielern geboostet von den TT-Firmen geliefert (oder werden selbst nachbehandelt). Dies ist allen bekannt und vergrößert den Abstand des Spitzensports zum Vereinssport weiter.

Schnittstelle Hobbytischtennis zum Vereinssport

Die Begeisterung für Tischtennis als Freizeitbeschäftigung auf den Pausenhöfen und Gärten unserer Republik an den vielen Outdoor Tischtennisplatten ist ungebrochen. Aber leider kann der Vereinssport dieses Potential nur unzureichend bzw. eher gar nicht nutzen.
Neben anderer Faktoren, wie z.B. die schwindende Vereinsbindung wird mir auch häufig von Enttäuschungen von den Spielern berichtet, die den Weg in den Verein gesucht haben. Der Schnittwechsel (z.T. Auch mit anderen Materialien wie lange Noppen oder Anti) stellt den Hobbyspieler vor unlösbare Aufgaben.

Wie sieht es beim Nachwuchs aus?

In einem unserer Familienurlaube habe ich unsere Kinder beobachtet, wie sie mit anderen Kindern Fußball gespielt haben. Das war ein sehr ernsthaft und mit großem Spaß geführtes Match in dem es auf Augenhöhe hin und her ging. Nach dem Spiel erzählte mein Sohn (der gerne in der Schulpause oder auch Nachmittags im Garten spielte aber nicht im Verein) mir, daß die übrigen Kinder im Verein spielen. Ein Leistungsunterschied war von außen nicht zu sehen.
Wie würde dies aussehen, wenn die Kinder Tischtennis miteinander gespielt hätten? Ein Vereinsspieler spielt nicht mit einem Hobbyspieler auf Augenhöhe. I.d.R. Gibt es noch nicht einmal einen Wettkampf: Hier ein Aufschlag, das Handgelenk ein wenig eingesetzt und der Hobbyspieler weiß nicht, was überhaupt passiert.
Wenn die Kinder mit Noppengummi-Schlägern spielen, sieht das schon ganz anders aus. Zwar wird der Vereinsspieler immer noch im Vorteil sein, aber er muß wesentlich mehr dafür tun. Es wird ein Spiel zustande kommen.
Dieses Potential sollten wir nutzen.

Und dies nicht nur als nettes Alibi-Event mit der Hoffnung ein paar Spieler zum „richtigen Tischtennis“ zu locken.

Der ITTF hat die Problemlage bereits vor einigen Jahren erkannt und eine eigene Abwandlung ins Leben gerufen. TTX geht genau in die Richtung:

  • weniger Schnitt
  • größere Bälle
  • mehr Spaß
  • auch draußen
  • einfache Regeln

Wenn Thomas Weikert der Präsident der ITTF davon spricht, dass TTX die Zukunft des Tischtennis ist, mag ich ihm nicht glauben, dass er mit ganzem Herzen dabei ist.

Aber ich bleibe bei meinem Fazit: Tischtennis muß wieder einfacher und der Spaß-Faktor stärker in den Vordergrund gestellt werden.

 

Wie ist Deine Meinung?

weiterführende Informationen

Zurück

Kommentar von LuckyBrinky |

Ich finde, dass es Nebenformate sind, die parallel ausgetragen werden können. Gerade der Spin und die Schnelligkeit macht doch unsere Sportart aus.

Ein größeres Problem bei der Nachwuchsgewinnung ist auch einfach die Schule und dass die Kinder weniger Zeit für Hobbys haben, gepaart mit zu vielen medialen Angeboten zu Hause.

Ich denke, wenn der Schritt gemacht wird, die Regeln in diese Richtung zu ändern, nimmt es dem Tischtennissport seine eigentlichen Reize und nimmt ihm seine Identität.

Des Weiteren wird z.B. Fußball unter gleichen Regeln von der Bundesliga bis in die Kreisklasse gespielt. Beim Tischtennis gibt es zigtausend unterschiedliche Spielsysteme.

Problem bei der Vermarktung im TV ist auch einfach, dass Fußball alles klein hält. Das ergeht Zuschauer-attraktiven Sportarten wie Volleyball ebenso - und das hat nichts mit zu viel Spin zu tun.

Ich weiß von vielen Spieler/innen (mich eingeschlossen), die mit dem Tischtennis aufhören wollen, wenn so Regeln wie "doppelte Netzhöhe", "nur noch Rückhandaufschläge" o.ä. den Sport künstlich TV-tauglich machen zu wollen. In Japan oder China gibt es da deutlich weniger Probleme bei der Vermarktung. Die kleinen Sportarten haben in Deutschland das große Problem "Fußball".

Kommentar von Arslan Boyaci |

Gute Analyse. Aber selbst Ping Pong setzt hohe technische Fähigkeiten voraus, die man nur beim normalen Tischtennis Training lernt. Und das ist meines Ermessen das Hauptproblem. Tischtennis ist Techniklastig. Und es dauert sehr lange bis man die Technik kann. Das setzt Geduld voraus. Erfolge zeigen sich nur sehr spät. Und das schreckt ab.

Kommentar von Stephan |

ABSOLUTER Schwachsinn!!!

Tischtennis muss Tischtennis bleiben.

Der Sport wird sich durch die ewigen Regeländerungen noch selbst abschaffen!!

Kommentar von keppi |

eigentlich waren diese Themen schon vor vielen Jahren die gleichen: damals ging man vom 38mm- auf den 40mm Ball und entschärfte die Aufschläge ( nicht mehr mit dem Körper verdecken).

mein Standpunkt: also ich spiele für mein Leben gerne Tischtennis, mit den ganzen Schnittvarianten und so. auch das unterschiedliche Material finde ich eher spannend, als lästig.

Wir sollten uns einfach unserer Stärken bewusst werden: trotz einer kleinen Plauze bei dem ein oder anderen Spiele ( bei mir auch !) ist es ein sehr geselliger Sport mit überdurchschnittlichem Intelligenz-Quotienten bei den Protagonisten. und so oft verletzten, tut man sich ja auch nicht.

der Wettkampf Sport hat sich schon länger von der Basis entfernt ( schon vor drei Jahren auf Plastik umgestellt/ in den unteren Ligen erst jetzt), und das finde ich auch ok...

mein Fazit: der Sport ist für den TV Zuschauer viel zu schwer, zu verstehen. einfache Sportarten sind en vogue. das Runde muss ins Eckige oder der Basketball ins Netz/ in den Ring... das versteht jeder ...

zum Thema Nachwuchs: das Problem haben auch alle anderen Sportarten , außer Fußball. da kommen aber die Hälfte der Kinder total gefrustet nach Hause,.... auch nicht schön...!

die Gesellschaft ist in einer sehr starken Umbruchphase und das bekommen die Vereine küppeldicke zu spüren...
da finde ich beispielsweise das amerikanische Schulsystem cool, die haben in ihren Hauptsportarten überragende Sportlehrer...

allen schöne Ostern... und spielt vllt. ein schönes Turnierchen mit Bratwurst und Pils danach...

alles im allen sage ich mal so: fast alle Sportarten haben neben Fußball ihre Probleme...und werden zu Randsportarten degradiert....

Kommentar von Peter |

Ich spiele Tischtennis, weil es mir Spaß macht. Ich benötige weder eine Vermarktung noch eine große und begeisterte Zuschauerzahl. Ich denke, dass man in erster Linie Sport macht, weil es einem Freude bereitet. Das sollte immer im Mittelpunkt stehen. Es gibt viele andere Randsportarten. Einige davon bestehen schon Ewigkeiten, andere davon sind fast ausgestorben - c'est la die

Kommentar von Thomas |

Durch die Einführung der Plastikbälle ruiniert sich Tischtennis gerade selber.
Um das zu erkennen, vergleiche man einfach nur ein paar YouTube-Videos absoluter Spitzenleute aus den Jahren 2019 (z.B. Harimoto gegen Ma Long, China open 2019, oder noch extremer, Mattias Falck gegen Ma Long, WM Finale 2019) mit denen von z.B. 2006, lange vor der Einführung des Plastikballs (z.B. Timo Boll gegen Ma Lin, WM Halbfinale 2006). Dynamik, Geschmeidigkeit, Spin und Geschwindigkeit sind ersetzt worden durch das Provozieren scheinbar leichter Fehler, durch das Schlagen von Luftlöchern und durch ruckartige Bewegungen dicht an der Platte.
Ich meine auch jeder Laie erkennt, dass Tischtennis für die Zuschauer und die Spieler nicht attraktiver geworden ist, ganz im Gegensatz zu den Beteuerungen derjenigen, die diese Änderungen im Tischtennis betrieben haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die durch Frischklebeverbot und Plastikballeinführung erzwungene, heutige Spielweise die Begeisterung und Faszination beim Tischtennisnachwuchs wecken kann.

Man fragt sich, wie es dazu kommen konnte? Anscheinend haben einige wenige innerhalb der ITTF diese Regeländerungen weltweit im Alleingang durchsetzen können. Niemals wären diese Regeländerungen an der Basis mehrheitsfähig gewesen.

Meiner Meinung nach war das alles sehr zum Nachteil der Sportart Tischtennis.

Kommentar von Daniel Muth |

Es gab in den letzten Jahren schon vier entscheidende Regeländerungen in unserem ursprünglich anspruchsvollen Sport mit Bezug zur Rotation:

40-mm-Ball, Verbot verdeckter Aufschläge, Frischklebeverbot, Plastikball.
An der Medienpräsenz und der Mitgliederentwicklung hat das alles nichts geändert.

Die haben den Sport also deutlich "vereinfacht". In meinen Augen viel zu sehr. Einen interessanten Sport macht doch gerade seine Technik aus. Diese gehört zum Tischtennis dazu.

Wenn ich einen wirklich profanen Sport machen wollte, würde ich Laufen gehen, alles nur eine Frage der Trainingsintensität.

Die Selbstdarstellung ist das eigentliche Problem. Gelungene Selbstdarstellung ist unmittelbar verknüpft mit den Begriffen Selbstvertrauen und Sendungsbewusstsein. Und je mehr man das Tischtennisspiel vereinfacht, im Sinne von aufgibt, desto weniger bleibt von beidem übrig.

Fazit: Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen.

Einen Kommentar schreiben
Bitte addieren Sie 4 und 9.
Tischtennis Spiel