WM-Pur, Tag 3: Revolution bei der TV-Vermarktung?

Adam Bobrow als Spiderman mit unserem Kolumnisten Jannik Schneider

 

Der Sportjournalist Jannik Schneider berichtet unter anderem für Deutschlands größte Sportseite spox.com live von der Tischtennis-WM in Düsseldorf. In seiner Kolumne WM-Pur berichtet er für Tischtennis Pur von seinen Erlebnissen rund um die erste Individual Heim-WM seit 1989 in Dortmund.

 

Einige Kollegen haben mich in diesen ersten Tagen der Tischtennis-WM bereits gefragt, warum ich bisher nur kleinere News für SPOX.com über das Großereignis in Düsseldorf produziert habe. Die Wahrheit: Mehr würde sich vor den entscheidenden Spielen am Wochenende nicht lohnen, zu gering sind die Aufrufzahlen von Randsportarten wie Tischtennis auf einer großen Sportseite mit den Schwerpunkten Fußball und US-Sport – und selbst am Wochenende wird es schwer, die nötige Aufmerksamkeit zu generieren.

Vielleicht klingt das etwas resignierend, aber es ist nicht so, als hätte ich nicht schon einige größere Dinge probiert. Es ist nicht wegzudiskutieren, dass dieser Sport mehr als viele andere fast ausschließlich von den Menschen getragen, verfolgt und gepusht wird, die Tischtennis eigenhändig spielen oder eine Bezugsperson zu dem Rückschlagsport haben.

Das fiel ebenfalls umgehend auf, als ich mir gestern während meiner anderen Aufträgen am ersten Hauptrundentag den Weg durch die Zuschauerränge freimachte – fast ausnahmslos Tischtennisspieler. Ist es also wirklich so, dass nur Tischtennisspieler diesen Sport wertschätzen können?

Mit dieser Fragestellung im Gepäck suchte ich am Ende des Tages Adam Bobrow auf. Der US-Boy ist seit drei Jahren (damals gewann er ein Casting) das Kommentatoren-Gesicht des eigenen TV-Channels des Weltverbandes ITTF - ITTV. Bobrow, selbst ein hochklassiger Spieler, ist wohl der Inbegriff eines Tischtennisfreaks, tritt auch hier in Düsseldorf sehr extrovertiert auf.

Er will auffallen – seinem Sport zuliebe. Als wir uns gestern auf der Pressetribüne zum Gespräch treffen, erscheint er im Spiderman-Kostüm. Damit hatte er gerade vier Matches kommentiert, er strahlte. Als ich ihm erzählte, um was es für mich gehen sollte, sprudelte es aus ihm heraus.

Dieser Sport benötigt Persönlichkeiten. Menschen werden sich nichts anschauen, wenn sie keinen Bezug zu den Profis haben“, erklärte er. Über die großen Sportler in anderen Sportarten wüssten Fans auf und abseits des Sports sehr viel mehr als das im Tischtennis der Fall sei. „Dass das in unserem Sport besser wird, daran arbeiten wir beim ITTF Schritt für Schritt.“

 

 

Einiges hat sich tatsächlich verbessert: Die TV-Präsentation in der Centre-Court-Halle mit vier Tischen kann sich 2017 sehen lassen. Innovative Beleuchtungen, ein durchgängiges Farbkonzept, schwarz-rot-goldene Tische. Hinzu kommen aufeinander abgestimmte Licht- und Soundeffekte sowie LED-Banden.

Die internationalen TV-Anstalten werden diese Woche mit ihren Bildern 400 Millionen Menschen erreichen. Dabei erhält der Zuschauer zwei neue Werkzeuge an die Hand.
Das „Balltracking“ wurde pünktlich zur 54. WM installiert. Spezielle Systeme messen unter anderem die Schnelligkeit, mit der die Profis die Bälle treffen. „Und wir Kommentatoren erhalten regelmäßig Grafiken mit Statistiken. Unforced Errors, Platzierungen – so wie wir das aus dem Tennis kennen“, zeigte sich Bobrow erfreut.

Ihm sei es wichtig, dass diese Neuerung nicht nur auf dem ITTV-Channel laufe, sondern weltweit. „Bei uns schaut nur der harte Kern zu. 90 Prozent dieser 400 Millionen erreichen die großen TV-Anstalten in Asien, den USA und hier in Europa. Und alles, was dem Zuschauer diesen Sport besser erklärt, ist hilfreich und ein guter Schritt.“

Denn für den Amerikaner, der aber in Taiwan lebt, ist Fakt: „Wir werden nicht großartig ändern können, dass sich nur Leute für Tischtennis interessieren, die selbst spielen. Aber wir können mehr zum Tischtennis bringen. Eine Entwicklung und Ausbildung des Wissens und der Wertschätzung erreicht man nur durch Erfahrungen und Aufmerksamkeit.

Dazu seien nicht nur Breitensportaktionen wichtig. „Es geht um den Werbe- und Markenwert für Produkte und Firmen, die Werbung schalten wollen. Damit das gesteigert wird, ist es wichtig, dass die Qualität der Übertragungen hoch ist. Da zählt jede Kamera, jeder neue Winkel“, erklärte er.

Deswegen sei die extra für diese WM neu eingeführte Kamera so wichtig. Die Aerial Cam tauchte in meiner Wahrnehmung das erste Mal bei der Fußball-WM 2014 auf. Sie raste, an einem Seil befestigt, aus der Vogelperspektive durch das Stadion und bei der TT-WM nun durch die Haupthalle und entwickelt bisher nie dagewesene Bilder.

Sport“, führte Bobrow ganz am Ende unseres Gesprächs aus, „ist Entertainment. Das fängt mit Statistiken an, geht über Beleuchtung, Markenbildung, Mode, Emotionalität und eben Persönlichkeiten. Gerade um letzteres kümmere ich mich.“

Hierzulande überträgt am Freitag der HR eine Stunde Live. Samstag, Sonntag und Montag wechseln sich ARD und ZDF ab mit je einer Stunde. Die Halb – und Finals werden sicher übertragen. Wer aber schon vorher mal die neue Qualität begutachten will, sollte Adam mak einen Besuch unter www.ittv.com abstatten.

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